Für das Projekt „Schul- und Alltagsgeschichte(n) im Spannungsfeld von Freiräumen und Verfolgung – Bildungsbausteine für die Vermittlungsarbeit vor Ort“ suchen wir eine:n pädagogische:n Mitarbeiter:in.
Unsere Stellenausschreibung finden Sie hier:
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Geboren 1929 in Berlin in eine jüdische Familie, erfuhr Renate Friedländer die Ausgrenzung und Verfolgung in NS-Deutschland als Kind. Im Januar 1939 wurde sie zusammen mit ihrer Schwester mit einem Kindertransport nach Großbritannien gerettet und entkam so der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Schon früh zeigte Renate Friedländer ihre Begabung für bildende Kunst. Sie besuchte die Kunstakademie in Birmingham und studierte in Freiburg Kunstgeschichte. 1970 kam sie nach Köln und wurde Museumspädagogin für die Kunstsammlungen der Museen der Stadt.
Die Ausstellung „Mein Leben muss irgendwo eine Wurzel haben.“ verbindet die Geschichte der Verfolgung von Renate Friedländer und ihrer Familie mit einer Auswahl von Arbeiten aus ihrem umfangreichen künstlerischen Werk.
Für den Lern- und Gedenkort Jawne ist diese Ausstellung Teil seines Auftrags, an die verfolgten jüdischen Kinder zu erinnern und ihrer zu gedenken.
Die Ausstellung wurde gefördert mit Mitteln der Bezirksvertretung Innenstadt der Stadt Köln.

Am 23. Juni 2024 ist im Alter von 100 Jahren unsere liebe Zeitzeugin und Freundin Lore Robinson gestorben.
Wir sind unendlich dankbar, dass wir sie 2009 kennenlernen durften. Ihr Besuch im Lern- und Gedenkort Jawne in Köln war der Beginn einer langen Reihe von eindrucksvollen Begegnungen in Köln und in London. Durch Lore haben wir ein Kapitel der Jawne-Geschichte aus der Perspektive einer klugen und selbstbewussten Schülerin kennengelernt. Erzählt hat sie uns auch viel über die Erfahrung des „Kindertransports“ 1939 nach England, das Heranwachsen ohne die Eltern und die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte nach 1945.
Wie gut, dass unsere aktuelle Ausstellung auch an Lore erinnert. Das Plakat zur Ausstellung zeigt sie als Kind vor ihrem Elternhaus am Salierring, wie sie an einem recht gefährlichen Zaun heraufklettert. So mutig wie auf dem Foto war sie auch noch in ihren 80ern und selbst mit 100 strahlte sie noch Gelassenheit und Heiterkeit aus.
Wir trauern mit der Familie.
Goodbye Lore, we will never forget you.

Am Sonntag den 19. Mai 2024 besuchte Lisa Aronson aus Ojai (Kalifornien, USA) den Lern- und Gedenkort Jawne. Lisa ist die Tochter der ehemaligen Jawne-Schülerin Hanneliese Fürst, die im Februar des Jahres 1939 mit einem von Direktor Erich Klibansky organisierten Kindertransport nach Großbritannien ausreisen und so vor weiterer Verfolgung durch die Nazis gerettet werden konnte.

Die Familie Fürst wohnte im Mauritiussteinweg 81, in der Kölner Innenstadt und betrieb dort eine Fabrik für Hüte, Masken und Karnevalszubehör. Während der Pogromnacht im November 1938 wurde das Innere der Fabrik in großen Teilen zerstört, später wurde sie von den Nazis “beschlagnahmt”. Durch großes Glück gelang es Hannelieses Eltern, Herta und Erich Fürst, Arbeitsplätze als Hausangestellte in Schottland zu bekommen und im August 1939 ausreisen zu können. Ihr Sohn Helmut Max wurde bereits 1937 an einer Kunstschule in London angenommen, der zweite Sohn, Hans Hermann, gelangte mit einem Kindertransport zunächst nach Belgien und schließlich nach England. Am 16. Mai 1940 konnte die nun in Großbritannien wieder vereinte Familie Fürst gemeinsam in Liverpool einschiffen und in die USA emigrieren. Andere Teile der Familie starben in verschiedenen Ghettos und Konzentrationslagern.
In den USA hieß die ehemalige Jawne-Schülerin Hanneliese nun Jan (Janet). sie arbeitete unter anderem als Sekretärin für den bekannten Cartoonisten Bill Mauldin und bekam drei Töchter.
Auf den Spuren ihrer Mutter und ihrer Familie besuchte Lisa Aronson in Köln dass Archiv des NS-Dokumentationszentrums, den Lern- und Gedenkort Jawne und den Mauritiuswall 81. Bis auf die Stolpersteine für ihre ermordete Großtante Irma und ihren Mann Ernst Schönholz erinnert dort nichts mehr an die Familie Fürst und ihre Fabrik. Im kommenden Jahr 2025 sollen weitere Steine für die Familie an diesem Ort verlegt werden und Lisa plant bereits mit Angehörigen der Familie dabei sein zu können.
Wir freuen uns schon darauf Dich wieder begrüßen zu dürfen, Lisa!

Die Silberbachs waren eine deutsch-jüdische Großfamilie, weit verzweigt in Westfalen und im Rheinland. In seinem packenden Buch “Der Blaue Salon und andere Torheiten” lässt uns Vernon Katz, dessen Mutter eine geborene Silberbach war, eintauchen in das Leben der Familie in den frühen 1930er Jahren. Vernon verbrachte seine Kindheit in Schötmar bei Bad Salzuflen, war aber regelmäßig bei den Silberbachs in Köln zu Besuch. In seinem Buch gibt er anschauliche Einblicke in das Leben seiner Tante Grete und seines Onkels Paul, die mit ihren Töchtern Gisela und Ingelore in einer Villa im vornehmen Stadtteil Marienburg wohnten. Der Nazi-Terror riss die Familien auseinander: Vernon und seine Eltern flohen nach Großbritannien, die Silberbachs in die USA.

Als sich Terry Mandel, die Tochter von Ingelore Silberbach im Jahr 2022 auf den Weg macht, das Leben ihrer Mutter und ihrer deutschen Vorfahren zu erforschen, wird Vernons Buch zu einer wichtigen Informationsquelle. In ihrem spannenden Bildvortrag berichtet Terry Mandel von der Suche nach ihrer Familiengeschichte und ihren vielen unverhofften Entdeckungen. Unterstützt wird sie dabei von Rita von Schwartzenberg, die Terry bei ihren Recherchen begleitete. Dr. Vernon Katz, fast 97 Jahre alt, wird online teilnehmen und Fragen zu seinem Buch beantworten, aus dem während des Vortrages Teile gelesen werden.
Terry Mandel ist Unternehmensberaterin und hat kürzlich die gemeinnützige Organisation “The Unerasure Projekt” gegründet, um auch anderen die Möglichkeit zu geben, bisher verborgene Teile ihrer persönlichen und kollektiven Geschichte zu erforschen. Sie lebt in Berkeley, Kalifornien.
Dr. Vernon Katz, der an der Universität Oxford promoviert hat, ist einer der weltweit führenden Experten für indische Philosophie und der Übersetzer wichtiger Sanskrit-Texte, darunter die Upanishaden. Er lebt in Suffolk, England. Sein Buch “Der Blaue Salon und andere Torheiten – Eine jüdische Kindheit im ländlichen Deutschland der 1930er-Jahre” ist 2023 im Verlag für Regionalgeschichte erschienen.
Rita von Schwartzenberg arbeitet als Psychotherapeutin in Köln. Derzeit schreibt sie an einer Biografie der renommierten Schriftstellerin Ruth Prawer Jhabvala, deren Familie im April 1939 ebenfalls aus Köln nach Großbritannien floh.
Die Veranstaltung findet in englischer und deutscher Sprache statt. Der Eintritt ist frei.
Am Freitag, den 3. Mai 2024 möchten wir alle Interessierten herzlich zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung einladen. Diese wurde konzipiert und umgesetzt von der Geschichts- und Politikwerkstatt der Jahrgangsstufe 9 des Ursulinengymnasiums in Köln. Nachdem die Ausstellung Anfang des Jahres 2024 im Oberstufengebäude des Ursulinengymnasiums gezeigt wurde, freuen wir uns sie nun im Lern- und Gedenkort Jawne einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können.
Siehe auch: Sonderausstellungen

Die Ausstellung erzählt die Geschichten einiger der etwa 130 geretteten Schülerinnen und Schüler der Jawne, des Schuldirektors Erich Klibansky und seiner Familie. Anhand ausgewählter Biografien von Schülerinnen und Schülern wird ein Stück Kölner Zeitgeschichte sichtbar gemacht.
Konzipiert und umgesetzt wurde die Ausstellung von der Geschichts- und Politikwerkstatt der Jahrgangsstufe 9 des Ursulinengymnasiums in Köln. Wir freuen uns, dass wir sie im Lern- und Gedenkort Jawne einem breiten Publikum zeigen können.

Wir „wohnen“ in dem kleinen Zimmer, in dem letztes Jahr unser Kurs von 8-9 stattfand. Das kleine Stückchen dunkler Flur davor ist unsere Küche, Badezimmer usw. und in dem anschließenden Klassenzimmer links schlafen die Söhne… (Brief von Direktor Erich Klibansky an Bruno Kisch, 22. Oktober 1939)
Zu Beginn des Jahres 1939 rechnen Meta und Erich Klibansky fest damit, bald nach Großbritannien umsiedeln zu können. Ihre Wohnung geben sie auf und beziehen ein – wie sie annehmen – vorübergehendes Quartier in Schulräumen der Jawne. Ihre Hoffnungen zerschlagen sich mit der Deportation am 20. Juli 1942 nach Minsk.

Die Geschichte der Jawne und der angrenzenden Synagoge der Gemeinde Adass Jeschurun im Herzen der Stadt, ist eng verbunden mit der Rettung von jüdischen Kindern und Jugendlichen durch den Leiter der Schule Dr. Erich Klibansky. 1939 gelang es ihm, vier Kindertransporte zu organisieren, die annähernd 130 Schülerinnen und Schülern der Jawne ein Überleben in England boten.
Ab Mitte 1941 war ein geregeltes Schulleben kaum noch möglich, weil die Nationalsozialisten das Schulgebäude und die angrenzende Synagoge zu einer Zwangsunterkunft für Kölner Jüdinnen und Juden bestimmten. Nach dem Verbot jeglichen Unterrichts für jüdische Schüler:innen im Sommer 1942 füllten sich die Räume der Jawne mit Menschen, die von den Nationalsozialisten aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben wurden. Vor den Deportationen hatten sie sich in „Ghettohäusern“ einzufinden. Für Hunderte von Jüdinnen und Juden wurde das Schulgebäude der Jawne, wie auch die angrenzende Synagoge, vom Ort des Lebens zum Ort des Schreckens.
Birte Klarzyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin für jüdische Geschichte im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, referiert den aktuellen Forschungsstand zum Thema Zwangsunterbringung im Nationalsozialismus in Köln.
Petra Pluwatsch, Autorin des Buches Verfolgt und nicht vergessen – Geschichten hinter den Stolpersteinen und frühere Chefreporterin des Kölner Stadt-Anzeigers, stellt eine Biografie vor, die eng mit der Jawne als „Ghettohaus“ verbunden ist: die Geschichte der Mathilde Joseph.
Christiane Wende-Kreisel, hat das Schicksal von Mathilde Joseph zum Lern- und Gedenkort geführt – seitdem engagiert sie sich dort ehrenamtlich.

Musikstudium in Köln, Gründungsmitglied des Palestine Orchestra in Tel Aviv, Musik-Lehrerin am jüdischen Gymnasium Jawne – das sind nur einige Stationen im Leben der Geigerin Dora Loeb (1905 – 1944).
In den zahlreichen Briefen, die sie bis zu ihrer Deportation (am 7. Dezember 1941 nach Riga) an ihre Familie geschrieben hat, werden Teile dieser außergewöhnlichen Biographie wieder lebendig, mit vielen Alltagsbeobachtungen und Details aus dem jüdischen Leben, im Schatten des Holocaust.

Im Rahmen einer szenischen Lesung berichtet der Journalist und Politologe Hans Stallmach aus dem ungewöhnlichen Leben der 1944 in Riga ermordeten Dora Loeb.
Eintritt frei – wir freuen uns über Ihr und Euer Interesse!
Der »Jawne-Salon« ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkort Jawne mit Judaica Cologne. Die Veranstaltungsreihe möchte der Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln mehr Raum und Sichtbarkeit geben sowie Möglichkeiten der Begegnung schaffen.
Am Freitag, den 26. Januar treffen sich Schüler:innen, Vertreter:innen der Synagogen-Gemeinde, der Kirchen und der Stadt Köln, sowie der Arbeitskreis des Lern- und Gedenkorts Jawne und alle interessierten Bürger:innen am Löwenbrunnen, um an die aus Köln deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen zu erinnern.
Der Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz hält die Erinnerung an die über 1100 aus Köln deportierten und jüdischen Kinder und Jugendlichen wach, daher versammeln wir uns zum Gedenken an diesem Ort. Die Beiträge der Schüler:innen nehmen die Lebensgeschichten und Erinnerungen von Kindern in den Blick, die mit den Kindertransporten nach England oder auf anderen Wegen gerettet wurden. Antisemitismus damals und heute beschäftigt die Schülergruppen ebenfalls. Mitwirken werden unter anderem Schüler:innen des Ursulinengymnasium (Klasse 9) und der Werner-von-Siemens-Schule (Berufskolleg).
Wir freuen uns, wenn viele Bürgerinnen und Bürger sich am Gedenken beteiligen und so ein Zeichen gegen Judenfeindschaft und für die bleibende Bedeutung des Erinnerns setzen.