Veranstaltungen

Dienstag, 14.07.2026 um 19.00 Uhr

Lesestunde | »Die Memoiren der Glückel von Hameln« (Bertha Pappenheim)

Buchbesprechung mit Ursula Reuter

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© BELTZ Verlag

Im Jahr 1691 beginnt Glückel von Hameln (1645 – 1724) ihr Leben aufzuschreiben, 1910 wird Bertha Pappenheim diesen Text aus dem Jiddischen übersetzen und veröffentlichen. Es sind die Erinnerungen einer außergewöhnlichen Frau die nach dem Tod ihres Mannes zwölf Kinder allein aufgezogen hat, das Familienunternehmen allein weiterführte und wohl die erste deutsche Frau war, die ihre Autobiografie schrieb. Ihre Memoiren geben einen klaren Einblick in das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Juden Mitteleuropas im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert.

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Unser aktuelles Jahresprogramm finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

Sonntag, 27.09.2026 um 11.00 Uhr

Jawne-Salon | »Aga« (Romandebüt von Agnieszka Lessmann)

Lesung und Gespräch mit der Autorin

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Ein jüdisches Mädchen kommt aus Polen über Israel nach Deutschland – in ein Land, das ihm fremd ist und dessen Geschichte es nur erahnen kann. Zwischen verschiedenen Sprachen, Namen und Lebenswelten versucht Aga zu verstehen, was die Erwachsenen ihr nicht erzählen.

In ihrem Romandebüt »Aga« erzählt Agnieszka Lessmann eindringlich und mit feinem Humor von Kindheit, Migration und jüdischem Leben in der Nachkriegszeit. Aus der Perspektive eines Kindes entsteht das vielschichtige Porträt einer Familie, geprägt von Aufbruch, Verlust und der Suche nach Zugehörigkeit.

Foto: privat

Agnieszka Lessmann, geboren in Łódź und aufgewachsen in Polen, Israel und Deutschland, ist Lyrikerin, Hörspiel- und Feature-Autorin.
Im Jawne-Salon liest sie aus ihrem Roman und spricht über dessen Entstehung, über Erinnerung, Sprache und das Erzählen zwischen persönlicher Erfahrung und Literatur.

Der Eintritt ist frei.


Veranstaltungen (Archiv)

Sonntag, 28.06.2026 um 11.00 Uhr

Jawne-Salon | »Vier Tage – eine nahöstliche Tetralogie«

Lesung und Gespräch mit Mona Yahia

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Mossul – Tel Aviv – Babel – Istanbul

„Vier Tage“ erzählt anhand jeweils eines Tages das Leben von vier Generationen einer jüdischen Familie.
Vier Tage, vier Generationen, vier Welten – und doch ein gemeinsames Schicksal.

Im Mittelpunkt des eindrucksvollen Romans steht eine arabisch-jüdische Familie, deren Geschichte im Grunde das Schicksal jüdischer Menschen im Nahen Osten erzählt.
Sie ist geprägt von den Erfahrungen und den Traumata des Exils, der Entwurzelung, Anpassung und Neuorientierung. Dabei geht es in jeder Generation immer auch um Fragen nach Identität und innerer Zugehörigkeit.

© Mona Yahia

»Vier Tage« ist Mona Yahias zweiter Roman und erschien 2025 im SALONLiteraturVERLAG

Ein großartiges Werk Weltliteratur über das orientalische Judentum.“
Roland Kaufhold, Hagalil

Mona Yahia wurde 1954 in Bagdad geboren und floh 1970 mit ihrer Familie über den Iran nach Israel. Sie studierte und arbeitete in Tel Aviv. Seit 1985 lebt sie als Autorin und Künstlerin in Deutschland.
Mit ihrem Debütroman “Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom“ war sie schon einmal zu Gast im Jawne Salon.

Sonntag, 14.06.2026 um 17.00 Uhr

Nur drei Kisten haben überlebt – Erinnerungen an Meta und Erich Klibansky

Vernissage | Gespräch mit Jeanne Spiegel

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Die Ausstellung erinnert an Erich und Meta Klibansky – erstmals wurde sie 2017/18 gezeigt. Jetzt ist sie erneut zu sehen: ergänzt um die Geschichte von drei Kisten Umzugsgut aus dem Haushalt der Familie. Nach 1945 gelangten diese auf verschlungenen Pfaden in den Besitz der Familie von Erichs Bruder, Joseph Klibansky. In einer der Kisten befand sich ein festtägliches Porzellanservice aus Familienbesitz.
Ende 2025 erhielt der Lern- und Gedenkort Jawne einen Teil des Service als Schenkung. In unserer Ausstellung werden diese Objekte erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bei der Eröffnung wird Jeanne Spiegel, geb. Klibansky, die Nichte von Erich Klibansky, anwesend sein und über die Geschichte der Objekte als Teil ihrer Familiengeschichte erzählen.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Dienstag, 09.06.2026 um 19.00 Uhr

Lesestunde | »Zwei Soldaten.« (Maria Lazar)

Buchbesprechung mit Andrea Schwedler

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© DVB Verlag

Ein britischer Kampfpilot und ein deutscher SS-Sturmmann liegen sich als Feinde schwerstverwundet auf dem Schlachtfeld gegenüber. In ihrer letzten Stunde beginnen sich die beiden jungen Männer zu umkreisen. Im Inneren Monolog gedenken sie ihrer Liebsten zuhause, lassen die eigene Vergangenheit und Gegenwart vor dem geistigen Auge aufflammen. Doch der Krieg kennt keine Versöhnung. Eine Verständigung bleibt bis zuletzt unmöglich.

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Unser aktuelles Jahresprogramm finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

Dienstag, 12.05.2026 um 19.00 Uhr

Lesestunde | »Die Hochzeitsgabe« (Geraldine Brooks)

Buchbesprechung mit Axel Berger

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© btb Verlag

Die Buchrestauratorin Hanna wird 1996 von Sydney in das vom Bürgerkrieg zerrissene Sarajevo gerufen. Sie soll dort die kostbare Sarajevo-Haggadah, eine jüdische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert untersuchen. In der Bibliothek angekommen, trifft sie auf den zurückhaltenden moslemischen Museumsleiter, der das Buch vor der Zerstörung gerettet hat. Er irritiert und fasziniert sie gleichermaßen. Und je mehr sich Hanna auf ihrer Spurensuche durch ganz Europa, mit der Schrift und ihrer geheimnisvollen Geschichte beschäftigt, desto mehr wird sie auch mit ihrer Vergangenheit und Herkunft konfrontiert,

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Unser aktuelles Jahresprogramm finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

Sonntag, 19.04.2026 um 11.00 Uhr

Jawne-Salon | Auf den Spuren der Lehrerfamilie Hartog aus Jever

Bildvortrag von Ainslie Hepburn mit Lesung aus ausgewählten Briefen (englisch/deutsch)

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

„Es begann mit den Briefen. Es waren ziemlich viele, eng gepackt in einer großen Lederbrieftasche und ganz hinten im Schlafzimmerschrank verstaut.“

Als Ainslie Hepburn die Briefe fand, die Henny und Hermann Hartog an die Töchter Lore und Inge geschrieben hatten, wusste sie noch nicht, wohin sie diese Entdeckung führen würde. Die jüdische Familie Hartog lebte in den 1920er/30er Jahren in Jever und Wilhelmshaven, dort amtierte Hermann Hartog als Lehrer an jüdischen Schulen und Kantor. Die Töchter konnten noch rechtzeitig aus NS-Deutschland nach England emigrieren. Ihre Eltern flohen 1939/40 über Brüssel nach Südfrankreich. Die einzige Verbindung blieben die Briefe – bis die Eltern 1942 verhaftet und über das Lager Gurs nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.

© Pen & Sword Books

Ainslie Hepburn, Schriftstellerin und Historikerin, veröffentlichte 2025 das Buch „In the Footsteps of the Holocaust. The Story and Letters of a German Jewish Family“. Dort beschreibt sie die Spurensuche, auf die sie sich mit ihrem Mann Peter Hepburn, dem Enkel von Henny und Hermann Hartog, machte. Ihre Publikation ist ein berührendes Beispiel für die Erinnerungsarbeit der zweiten und dritten Generation im Andenken an die verfolgten und ermordeten jüdischen Verwandten.

Ainslie Hepburn und ihr Mann Peter leben in Brighton und im ländlichen Sussex.

Der Jawne-Salon ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkorts Jawne und Judaica Cologne und für diese Veranstaltung auch mit der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Sonntag, 19.04.2026 um 13.30 Uhr

»DENKMAL AM ORT«

Ausstellung | Führungen

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Der Lern- und Gedenkort Jawne beteiligt sich mit zwei Führungen bzw. Rundgängen am Programm des überregionalen Projektes DENKMAL AM ORT. Details zu den Veranstaltungen in Köln finden Sie hier.

13:30 Uhr | Die Jawne – ein Zentrum jüdischen Lebens und Lernens in Köln (1919-1942)

Auf dem Erich-Klibansky-Platz nahe des Friesenviertels sprudelt der Löwenbrunnen. Er erinnert an die Deportation und Ermordung jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Köln und an eines der Zentren jüdischen Lebens in der Domstadt. Neben einer Synagoge gehörte das Jüdische Gymnasium Jawne dazu.
Heute befindet sich hier der Lern- und Gedenkort Jawne, der die Geschichte der Schule und ihrer Schüler*innen lebendig hält. Eine Führung durch die Ausstellung und ein Gang um den ehemaligen Schulhof machen den Ort erfahrbar.

Eva Alsberg mit ihrem Bruder Fritz in London, 1940
© NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

14:30 Uhr | Spurensuche: Eva Alsberg – eine Schülerin der Jawne und die Geschichte ihrer Familie

Die Entfernung zwischen der Königin-Luise-Schule und der Jawne beträgt heute kaum 100 Meter. Doch für meine Mutter, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft diese Schule verlassen musste und auf die Jawne wechselte, muss es ein langer und schwieriger Weg gewesen sein.” (Barbara Walker)

Stadtteilrundgang auf der Suche nach Spuren, die Eva Alsberg und ihre Familie in der näheren Umgebung der Jawne hinterlassen hat. Die Künstlerin Barbara Walker aus Berlin und Tochter von Eva Alsberg wird den Rundgang mit Fotografien, Dokumenten und Erzählungen aus dem Familienkontext begleiten.

Dienstag, 14.04.2026 um 19.00 Uhr

Lesestunde | »Gewässer im Ziplock« (Dana Vowinckel)

Buchbesprechung mit Peter Weber

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© Suhrkamp Verlag

Ein Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem. Wie jedes Jahr verbringt die fünfzehnjährige Margarita ihre Ferien bei den Großeltern in den USA. Doch sie hat Heimweh, nach ihren Freunden und ihrem Vater. Die Mutter hat die beiden verlassen, als Margarita drei Jahre alt war. Höchste Zeit, beschließt der Familienrat, dass sie einander besser kennenlernen. Und so wird Margarita in ein Flugzeug nach Israel gesetzt, wo ihre Mutter seit Kurzem lebt. Gleich nach der Ankunft geht alles schief.

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Unser aktuelles Jahresprogramm finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

Sonntag, 12.04.2026 um 17.00 Uhr

Finissage der Ausstellung »Als wäre nichts gewesen« | Rita Frind – Werke  

Finissage | Performance | Gespräche

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© Juliane Rückriem

Rita Frind wird zum letzten Mal ihre beeindruckende Performance »Geh nicht raus!« aufführen. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit für Gespräche mit der Künstlerin und dem Ausstellungs-Team.

Seit dem 31. August 2025 fanden die außergewöhnlichen künstlerischen Formen und Werke bei vielen BesucherInnen große Resonanz. Es gab eine Vielzahl von Gesprächen mit der Künstlerin im Lernort, und es kamen viele Gruppen und Schulklassen. Besonders war die Veranstaltung mit Rita Frind, in der sie umfangreich Auskunft über ihre Arbeit und ihr Leben gab. Zum Thema der zweiten und dritten Generation hielt die Sammlungsleiterin des Jüdischen Museums Wien, Gabriele Kohlbauer-Fritz, einen Vortrag. Die Ausstellung war Teil der Gedenkveranstaltungen am 9.11.2025 und 27.01.2026.

Die Künstlerin und der Lern- und Gedenkort Jawne wurden für dieses Projekt von der Imhoff Stiftung mit einem Förderpreis ausgezeichnet.  

Dienstag, 10.03.2026 um 19.00 Uhr

Lesestunde | »Ein Mädchen nicht von dieser Welt« (Aharon Appelfeld)

Buchbesprechung mit Jo Ojan

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

© Rowohlt Verlag

Adam und Thomas sind überrascht, als sie sich zufällig im Wald begegnen. Ihre Mütter haben die Jungen dort versteckt, weil es im Ghetto zu gefährlich wurde. Nun müssen die beiden Neunjährigen in der Natur zurechtkommen. Doch die Schrecken von Krieg und Verfolgung sind nie weit entfernt: nachts hören sie Schüsse, einmal stoßen sie auf einen Verwundeten. Die einzige Hilfe von außen ist die kleine Magd Mina, die die Jungen heimlich versorgt – eine Heilige der Tat. Doch auch Mina gerät in Gefahr …

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Unser aktuelles Jahresprogramm finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

Donnerstag, 26.02.2026 um 19.00 Uhr

»Der Holocaust im familiären Gedächtnis – Die Dritte Generation«

Vortrag von Gabriele Kohlbauer-Fritz (Jüdisches Museum Wien)

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Gabriele Kohlbauer-Fritz
© privat

Im Rahmen der Ausstellung „Als wäre nichts gewesen“ – Werke von Rita Frind spricht die Kuratorin Gabriele Kohlbauer-Fritz über das Ausstellungsprojekt „Der Holocaust im familiären Gedächtnis – Die Dritte Generation“. Die Schau wurde 2024 im Jüdischen Museum Wien gezeigt und läuft aktuell im Jüdischen Museum München.

Die Geschichte der Überlebenden der Schoa wurde an die Generationen der Kinder und Enkelkinder weitergegeben. Während die Zweite Generation mit den psychischen und physischen Verletzungen ihrer Eltern aufwuchs, blickt die Dritte mit einer größeren zeitlichen Distanz auf die Familiengeschichte. Dennoch ist das Erbe der Erinnerung und des Schweigens in den Familien allgegenwärtig. Die Ausstellung „Die Dritte Generation“ erkundet verschiedene Strategien der Bewältigung und Auseinandersetzung mit dem Erbe der Schoa. Sie zeigt mit künstlerischen Arbeiten, wie Traumata von Generation zu Generation weitergegeben und verarbeitet werden.

© Verlag Hentrich & Hentrich

Die ausgestellten Objekte zeugen von Abgrenzung und Aneignung, von Erinnern und Vergessen-wollen, von den Versuchen, die großen Lücken in den Familiengeschichten zu füllen. Gleichzeitig reflektieren viele Werke das weltweite Erstarken des Antisemitismus und des Autoritarismus sowie Terror und Krieg. Dies führt einerseits zur Retraumatisierung, andererseits aber auch zu Anstößen für verstärktes Engagement für Frieden und Menschenrechte.

Gabriele Kohlbauer-Fritz, geboren in Friesach, studierte Slawistik und Judaistik in Wien und Moskau. Seit 1993 Kuratorin am Jüdischen Museum Wien, seit 2011 Sammlungsleiterin. Sie hat zahlreiche Ausstellungen kuratiert, u.a. „Beste aller Frauen – weibliche Dimensionen im Judentum“ (2007), „Genosse Jude. Wir wollten nur das Paradies auf Erden“ (2017), „Die Ephrussis – eine Zeitreise“ (2020), „Die Wiener Rothschilds. Ein Krimi“ (2021). Zudem hat sie zahlreiche Kataloge und Bücher herausgegeben und Aufsätze zur jüdischen Geschichte publiziert.