Veranstaltungen


Freitag, 17.01.2020 um 09.30 Uhr

Filmreihe »Gerettet – auf Zeit«

Begleitprogramm zur Ausstellung „Gerettet – auf Zeit. Kindertransporte nach Belgien 1938 / 1939“

Ort: FILMFORUM IM MUSEUM LUDWIG, Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

Ein Filmwochenende vom 17. bis 19. Januar 2020
begleitet die Ausstellung.


In den Dokumentarfilmen von Esther Hoffenberg/Myriam Abramowicz, Aviva Slesin und Bernard Balteau erinnern sich Überlebende, die als Kinder versteckt wurden, häufig erstmals öffentlich an ihre Verfolgung. WiderstandskämpferInnen berichten, mit welchen Mitteln sie das Leben der Kinder retten konnten. Der Dokumentarfilm wird hier selbst zum Dokument dieses Widerstands, zur Stätte der Erinnerung und zum Mittel gegen das Vergessen.

Häufig waren es die Kinder der Überlebenden, die Second Generation, die die Erinnerung an die Verfolgung der Juden am Beispiel ihrer Familien in Wort und Bild aufzuzeichnen begannen, so zum Beispiel Chantal Akerman. Michel Kichka hat die Geschichte seiner Familie in Comics verarbeitet, der Film von Delfina Jalowik und Jürgen Joseph Kaumkötter zeigt diese künstlerische Verarbeitung der Traumata der Eltern eindrucksvoll.

Claude Berri und Gilles Paquet-Brenner sahen in Spielfilmen eine Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen zu verarbeiten. Die Fiktion lässt die Wirklichkeit kenntlich werden und an die ihr innewohnende Wahrheit erinnern.

Die Filmreihe versteht sich als ein Beitrag zum Gedenken an die Opfer der Schoa und als Erinnerung an den Widerstand, der in Belgien besonders erfolgreich Jüdinnen und Juden vor der Vernichtung retten konnte.

Samstag, 02.11.2019 um 19.30 Uhr

Kölner Museumsnacht 2019

Ausstellung und Filme

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Am Samstag, 2. November 2019 nimmt der Lern- und Gedenkort Jawne wie jedes Jahr mit einem spannenden Programm an der Kölner Museumsnacht teil – Sie sind herzlich eingeladen!

© Yasmin Friedrichs, Robert-Schuman-Institut Eupen
© Lern- und Gedenkort Jawne

Programm

19.30 Uhr

Eröffnung der Kunstausstellung »Stimmungsbilder zu Kindertransporten« mit Schülerinnen und Schülern des Robert-Schuman-Instituts in Eupen
1938/39 konnten fast 1.000 jüdische Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Österreich mit Kindertransporten nach Belgien ausreisen. Diese Rettungsgeschichte ist bis heute in Deutschland fast unbekannt. Seit mehreren Jahren forscht der Lern- und Gedenkort Jawne zu diesem Thema und bereitet eine große Ausstellung vor, die Ende November 2019 eröffnet wird.

Auf Anregung des Lern- und Gedenkorts Jawne haben sich Schülerinnen und Schüler des Robert-Schuman-Instituts im belgischen Eupen im Kunstunterricht mit den Kindertransporten nach Belgien auseinandergesetzt. Besonders wichtig waren für sie dabei Gespräche mit dem Brüsseler Zeitzeugen Henry Roanne-Rosenblatt, ehemals ein Kindertransportkind aus Wien. Erstmals wurden die Bilder und Filme am 27. Januar 2019 bei der Einweihung einer Kindertransportskulptur in Herbesthal gezeigt, dem ehemaligen Grenzbahnhof zwischen Deutschland und Belgien. Nun kommen sie nach Köln.

21.00 Uhr

Film: Präsentation von Kurzfilmen aus dem Kunstprojekt des Robert-Schuman-Instituts in Eupen

23.00 Uhr

Film: Kichka. Life is a Cartoon. Ein Film von Delfina Jalowik und Jürgen J. Kaumkötter, 2018
Der Film wird präsentiert in Kooperation mit dem Zentrum für verfolgte Künste Solingen. Nähere Informationen zum Film finden sich auf der Website des Zentrums.

Donnerstag, 17.10.2019 um 19.00 Uhr

Stimme und Atem – Out of Breath, Out of Mind

Lesung und Gespräch mit Peter Wortsman

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Peter Wortsman (© Ricky Owens)

In mir lebt ein ungeborener Dichter deutscher Sprache, schreibt der 1952 in New York geborene Sohn österreichisch-jüdischer Emigranten, Peter Wortsman. Erzogen wurde er »sprachverwirrt«, d.h. zweisprachig in Deutsch und Englisch. So erscheint es nur folgerichtig, dass er literarischer Übersetzer und Schriftsteller wurde.

Im Berliner Verlag PalmArtPress erscheint im Oktober 2019 sein neues deutsch/englisches Buch Stimme und Atem – Out of Breath, Out of Mind. In seinen teils quasi-autobiographischen, teils albtraumhaften Erzählungen, zumeist ursprünglich auf Deutsch geschrieben und danach vom Autor selbst ins Englische übertragen bzw. adaptiert, erschafft Peter Wortsman ein verlockendes, wenn auch verstörendes Bildnis, nicht nur seines Selbst, sondern auch unseres zersplitterten Zeitalters.

Eine Veranstaltung der Bibliothek Germania Judaica und des Lern- und Gedenkorts Jawne in Kooperation mit dem US-Generalkonsulat Düsseldorf.

Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 17.01.2019 um 19.00 Uhr

Das Deportationslager Köln-Müngersdorf

Vom »vergessenen« Ort des NS-Terrors zum würdigen Gedenkort

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Das Foto ist eines von nur zwei existierenden Bildern des Lagers. Es zeigt einige Frauen die in den Gewölben des »Fort V« leben mussten und vermittelt einen Eindruck von den ärmlichen Verhältnissen, denen die Menschen dort ausgesetzt waren.
(Foto: Synagogengemeinde Köln)

Kaum ein Ort in Köln ist mit der Entrechtung, Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung so eng verbunden wie das ehemalige »Judenlager Müngersdorf«, das Ende 1941 in den Kasematten des »Fort V« (aus den 1870er Jahren stammende preußische Befestigungsanlage) und als dort in der Nähe gelegenes Barackenlager existierte. Das Lager wurde 1941 von der Stadt Köln in Abstimmung mit der Gestapo als Lager für die zu diesem Zeitpunkt noch verbliebene jüdische Bevölkerung Kölns und der Umgebung geplant und errichtet. Zwangsfinanziert wurde es aus dem Vermögen der jüdischen Gemeinde, die mehrere hunderttausend Reichsmark zur Verfügung stellen musste.
 
Das Lager Müngersdorf war die »Endstation« vor der endgültigen Deportation der Juden im Großraum Köln. Es wird davon ausgegangen, das etwa 4.000 bis 5.000 Personen in dem Lager lebten bzw. durchgeschleust wurden, bevor sie vom Bahnhof Deutz-Tief aus den Weg in die Vernichtungslager in Osteuropa antreten mussten.

Gegen Ende des Krieges wurde das Gelände auch als Arbeitserziehungslager (AEL) unter dem berüchtigten Lagerleiter Heinrich Brodesser genutzt. Mit dem Näherrücken der US-amerikanischen Truppen wurde das Lager am 1. März 1945 geräumt; die verbliebenen Häftlinge wurden mit einem »Evakuierungsmarsch« über Wipperfürth in das »AEL Hunswinkel« bei Lüdenscheid getrieben.
 
1947 standen, wie ein Foto aus jenem Jahr bezeugt, noch die Reste der massiven Umzäunung des Barackenlagers. Ebenfalls nur wenige Monate nach Ende des Krieges begann man links und rechts der Lagerstraße mit ersten Anpflanzungen und dem Anlegen der Schrebergartensiedlung, die heute den Namen »Kleingärtnerverein Waldfriede e.V.« trägt.

Mit der Erinnerung an die Geschehnisse tat man sich schwer. Erst 1981 wurde von der Stadt Köln auf dem Gelände des ehemaligen »Fort V« ein Findling mit einer kleinen Gedenktafel installiert.

Der Initiative des »Bürgervereins Köln-Müngersdorf e.V.«, der 2014 begann, die historischen Ereignisse in den genaueren Blick zu nehmen, ist es zu danken, dass nun ein würdiger Gedenkort sowohl am Ort des ehemaligen »Fort V« als auch am Standort des ehemaligen Barackenlagers entstehen wird.
 
Roland Schüler, Kurt Schlechtriemen und Hildegard Jahn-Schnelle vom Bürgerverein Müngersdorf werden an diesem Abend die Geschichte des Ortes skizzieren, Biografien einzelner NS-Opfer vorstellen und über den Weg zu einem würdigen Gedenken an diesem viel zu lange Zeit »vergessenen« Ort des NS-Terrors berichten.
 
Eine Veranstaltung des Jugendclub Courage Köln e.V. und des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne

Eintritt frei.

Freitag, 09.11.2018 um 12.00 Uhr

Gedenkstunde

für die deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln

Ort: Kindergedenkstätte Löwenbrunnen am Erich-Klibansky-Platz (Albertusstr. 26), Köln

Am 9. November 1938 – also vor 80 Jahren – wurden in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen zerstört, jüdisches Eigentum beschädigt, Jüdinnen und Juden verhaftet und die ersten Ermordungen geschahen. Der Arbeitskreis des Lern- und Gedenkortes Jawne lädt am Freitag, 9. November 2018 von 12.00 Uhr bis etwa 12.45 Uhr zu einer Gedenkstunde am Löwenbrunnen ein.

Schülerinnen und Schüler, die am Vormittag in der Jawne einen Workshop durchführen, präsentieren ihre Ergebnisse, Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes wird eine Ansprache halten – und mit Henny Franks wird eine Zeitzeugin anwesend sein. Sie ist für eine Woche in Köln zu Gast und führt Gespräche mit Lehrern und Schülern in Köln. Die 95-Jährige wurde mit den Kindertransporten der Jawne nach England gerettet, dort lebt sie bis heute, ist aber gerne zu Besuch in Köln. Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Gedenkstunde am Löwenbrunnen teilzunehmen.

Die Gedenkstunde wird von der Synagogen-Gemeinde Köln, dem Katholischen Stadtdekanat und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region in Verbindung mit dem Lern- und Gedenkort Jawne veranstaltet.

Samstag, 03.11.2018 um 19.30 Uhr

Kölner Museumsnacht 2018

Konzerte

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Am Samstag, 3. November 2018 beteiligt sich der Lern- und Gedenkort Jawne wieder an der Kölner Museumsnacht.

Inna Sokol (© privat)
Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) (Foto: Madame d’Ora, Bildarchiv Austria)

Programm

19.30 Uhr

Konzert: Inna Sokol singt jüdische Volkslieder
Die Sängerin Inna Sokol hat an der berühmten Musikhochschule Gnessin in Moskau studiert und lebt heute in Köln. Sie singt jüdische Volkslieder, aber auch Klassiker von Franz Schubert, Pjotr Tschaikowski und anderen.

21.30 Uhr

Konzert: Erich Wolfgang Korngold und seine Musik
Obwohl epigonal-konservativer Komponist, war Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) als österreichischer Jude vom NS-Regime als »entartet« gebrandmarkt. Der im »Dritten Reich« verfemte und schließlich in die USA emigrierte Komponist wurde einer der wichtigsten Filmkomponisten Hollywoods; zwei seiner Filmmusiken wurden mit dem Oscar prämiert. Nach dem Krieg gelang es ihm nicht mehr, an seine früheren Erfolge mit klassischer Orchestermusik anzuknüpfen, seine Werke wurden ignoriert und vergessen. Erst in den 1970er Jahren wurden die Werke des genialen Komponisten neu aufgelegt und seitdem verschiedentlich wieder aufgeführt. Nach einer kurzen Einführung präsentiert Sebastian Olles (Klavier) Fragmente aus dem Werk Korngolds, darunter aus seinem wohl bedeutendsten Erfolg, der Oper »Die tote Stadt« (1920, uraufgeführt am Stadttheater Köln und in Hamburg).

Donnerstag, 07.12.2017 um 19.00 Uhr

Die vergessenen Kinder von Köln

Dokumentarfilm von Jürgen Naumann, D 2006, 60 Min.

Ort: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln

Anschließendes Podiumsgespräch mit Paul Kohl

Jürgen Naumann folgt den Spuren von über dreihundert jüdischen Kindern und Jugendlichen, die im Juli 1942 von Köln aus deportiert wurden. Viele von ihnen hatten in der Jawne, dem einzigen jüdischen Gymnasium im Rheinland, Zuflucht gefunden. Ehemalige Schülerinnen und Schüler der Jawne, die auf Kindertransporten nach Großbritannien durch den Direktor der Schule Dr. Erich Klibanksy gerettet werden konnten, berichten über das Schicksal von Schulkameraden und Familienangehörigen.

Unter den insgesamt 1.164 Juden aus Köln, Bonn und anderen Städten der Region, die am 24. Juli 1942 im Wald von Blagowschtschina, in der Nähe von Minsk, erschossen wurden, befanden sich auch Dr. Erich Klibansky mit seiner Frau Meta und ihren drei Kindern.

Im Anschluss an die Filmvorführung berichtet der Autor Paul Kohl über die Entstehung des Dokumentarfilms. Er hat über die Verbrechen der Wehrmacht und Polizei in den eroberten Gebieten der Sowjetunion publiziert und die Filmaufnahmen in Belarus begleitet.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zu den aktuellen Sonderausstellungen »Vernichtungsort Malyj Trostenez« und »Meta und Erich Klibansky« des NS-Dokumentationszentrums (EL-DE-Haus) und des Lern- und Gedenkorts Jawne

Dienstag, 28.11.2017 um 19.00 Uhr

Zur Geschichte der Wahrnehmung von Malyj Trostenez

Vortrag von Dr. Aliaksandr Dalhouski (Minsk)

Ort: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln

Der Wald von Blagowschtschina im Jahr 2017 (Foto: Dirk Planert)

Der Vortrag thematisiert die Probleme der Historisierung sowie Besonderheiten der sowjetischen Wahrnehmung und Gestaltung von Gedenkstätten an den Orten der Massenvernichtung bei Malyj Trostenez. Auch geht es um gegenwärtige Tendenzen zur Transformation des sowjetischen Gedenkortes in einen gesamteuropäischen Erinnerungsort.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zu den aktuellen Sonderausstellungen »Vernichtungsort Malyj Trostenez« und »Meta und Erich Klibansky« des NS-Dokumentationszentrums (EL-DE-Haus) und des Lern- und Gedenkorts Jawne

Sonntag, 19.11.2017 um 14.00 Uhr

Stadtführung: Der Vernichtungsort Malyj Trostenez

Stolpersteinführung mit Dr. Katja Lambert

Ort: Treffpunkt: NS-Dokumentationszentrum

Die internationale Sonderausstellung Malyj Trostenez erinnert anhand einzelner Schicksale an die Geschichte des Vernichtungslagers und die Ermordung der meist jüdischen Opfer. In einer zweistündigen Führung durch Köln wird von Stolperstein zu Stolperstein der Schicksale der über 1.000 Kölnerinnen und Kölner gedacht, die von Köln nach Belarus deportiert und ermordet wurden. Sowohl in der Ausstellung als auch in der Führung spielt die Kölner Jawne eine besondere Rolle. Deren Direktor Dr. Erich Klibansky wurde mit seiner Familie und seinen Schülerinnen und Schülern in das Vernichtungslager deportiert und ermordet.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zu den aktuellen Sonderausstellungen »Vernichtungsort Malyj Trostenez« und »Meta und Erich Klibansky« des NS-Dokumentationszentrums (EL-DE-Haus) und des Lern- und Gedenkorts Jawne

Mittwoch, 08.11.2017 um 19.00 Uhr

»Vergessen kann man‘s nicht und verstehen kann man‘s auch nicht«

Podiumsdiskussion mit Kurt Marx

Ort: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln

Der ehemalige Jawne-Schüler Kurt Marx (geb. 1925) im Wald von Blagowschtschina bei Malyj Trostenez (Belarus), dem Ort der Ermordung seiner Eltern im Jahr 1942 (Foto: Dirk Planert)

Kurt Marx wurde 1925 in Köln als einziges Kind von Siegmund und Irma Marx geboren. Obwohl seine Eltern sich um eine gemeinsame Emigration in die USA bemühten, unterstützten sie zunächst die Ausreise ihres Sohnes nach England. 1939 kam er mit einem von Dr. Erich Klibansky, dem Direktor der Jawne, organisierten Kindertransport nach London. Die Eltern von Kurt Marx konnten sich nicht retten. Sie wurden im Juli 1942 nach Malyj Trostenez deportiert und dort ermordet.

Moderation: Larissa Schmitz

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zu den aktuellen Sonderausstellungen »Vernichtungsort Malyj Trostenez« und »Meta und Erich Klibansky« des NS-Dokumentationszentrums (EL-DE-Haus) und des Lern- und Gedenkorts Jawne

Samstag, 04.11.2017 um 19.30 Uhr

Kölner Museumsnacht 2017

Buchvorstellung und Konzert

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Meitar Duo

Programm

19.30 Uhr

Gerda Eisler: Alles, woran ich glaube, ist der Zufall. Eine Jugend in Graz und Tel Aviv

Buchvorstellung mit Gerda Eisler und der Autorin Inga Fischer

»Alles, woran ich glaube, ist der Zufall« – In ihrem Buch schildert die jüdische Zeitzeugin Gerda Eisler, wie sie die Machtergreifung der Nazis in Österreich erlebt und als Zwölfjährige mit ihren Eltern nach Palästina flieht. Dort dient sie als junge Frau im Unabhängigkeitskrieg. Seit 1969 lebt sie in Deutschland, doch Graz und Tel Aviv bleiben die Orte, die ihr Leben ganz wesentlich geprägt haben.

20.30 und 21.30 Uhr

Ein jüdisches und israelisches Potpourri
Konzert mit dem Meitar Duo –Sivan Yonna (Gesang) und Tal Botvinik (Gitarre)

Das Meitar Duo ist ein junges Ensemble aus zwei israelischen Musikern, die in Köln leben. Beide haben bereits viele Erfahrungen als Solisten und Kammermusiker gesammelt – ihre gemeinsame Leidenschaft für jüdische und israelische Musik führte sie jetzt zusammen.Das Meitar Duo bringt ein reiches Repertoire auf die Bühne: „Eretz Israel Hayafa“-Lieder (klassische israelische Lieder), sephardische und Ladino-Lieder in originalen Arrangements und ein klassisches Repertoire von jüdischen Komponisten der Vergangenheit und Gegenwart – ein Mosaik, das die reiche israelische und jüdische Musikkultur widerspiegelt.

Montag, 09.10.2017 um 19.00 Uhr

»Wir lernten einen halben Tag, und den anderen halben Tag arbeiteten wir.«

Rettung, Aufbauwerk und Fürsorge: Die Jugend-Aliyah von 1932 bis in die 1950er Jahre

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Vortrag von Dr. Susanne Urban

1932 wurde die Jugend-Aliyah gegründet: Jüdische Jugendliche sollten frei und selbstbewusst, abseits von Antisemitismus, ein neues Leben beginnen und den Zionismus aus der Theorie in die Praxis überführen. Nach 1933 erweiterte die Jugend-Aliyah unaufhörlich ihren Aktionsradius – 1938 nach Österreich, später auch in Länder wie Holland, Dänemark und England. Aus dem Ausbildungswerk für zionistische Pioniere wurde immer mehr ein Rettungswerk. Bis 1940 konnte die Jugend-Aliyah rund 5.000 Kinder und Jugendliche in Sicherheit bringen. Nach 1945 kümmerte sie sich um Kinder, die die Shoah überlebt hatten. In dem Vortrag werden Strukturen, Akteure, Biografien, Zitate und Erinnerungen ein breit gefächertes Bild dieser Institution vermitteln, die auch heute noch in Israel aktiv ist.

Referentin: Dr. Susanne Urban, seit 11/2015 Geschäftsführerin der SchUM-Städte e.V.; 2009 bis 2015 Leiterin der Forschung und Bildung im ITS/ Arolsen; 2005 bis 2009 Yad Vashem/ International School for Holocaust Studies; 2004 Fellow Researcher in Yad Vashem. 2003 Kuratorin der Ausstellung zur Jugend-Aliyah: »Rettet die Kinder«. Bis 2004 u.a. Mitarbeiterin des Jüdischen Museums Frankfurt und der Zeitschrift TRIBÜNE. Veröffentlichungen u.a. zu Displaced Persons, Repatriierung, zur Bricha, Zeitzeugenberichten, Kinder-Überlebenden und zur Jugend-Aliyah. Entwicklung auch von Unterrichtsmaterialien. Promotion 2000 am Moses Mendelssohn Zentrum / Universität Potsdam.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Die Brauns und die Grünebaums«, die noch bis 15. Oktober 2017 im Lern- und Gedenkort Jawne gezeigt wird.

Dienstag, 19.09.2017 um 19.00 Uhr

Die Gedenk- und Begegnungsstätte »Ehemalige Jüdische Schule«

Der letzte »steinerne Zeuge« der Synagogengemeinde Leer

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

1909 wurde mit dem Bau des Hauses begonnen, das heute als die Gedenk- und Begegnungsstätte »Ehemalige Jüdische Schule« in Leer bekannt ist. Im Juni 1910 begann Lasser Abt mit dem Unterricht für ca. 25 Mädchen und Jungen in der Elementarschule der jüdischen Gemeinde. Bis zu ihrer Schließung im Jahr 1939 unterrichteten insgesamt vier Lehrer. Drei von ihnen wurden zusammen mit zahlreichen anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Leer in Konzentrationslagern ermordet.

Im Vortrag wird die Geschichte der Jüdischen Schule, ihrer Lehrer und Schulkinder erzählt und über die heutige Arbeit in der Gedenk- und Begegnungsstätte berichtet.

Die Ehemalige Jüdische Schule Leer ist eine Gedenk- und Begegnungsstätte in Trägerschaft des Landkreises Leer. Als letzter »steinerner Zeuge« der Synagogengemeinde Leer widmet sie sich dem Gedenken an die jüdische Bevölkerung aus dem Landkreis. Zu ihren Aufgaben gehören die Erforschung, Vermittlung und Präsentation jüdischer Lokalgeschichte sowie Veranstaltungen zu aktuellem jüdischen Leben in Deutschland. In der Einrichtung werden die Dauerausstellung zur Schule mit Interviewsequenzen ehemaliger Schüler_innen sowie wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.

Referentin: Dr. phil. Juliane Irma Mihan hat an den Universitäten Erfurt und Potsdam Neuere Geschichte (Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte), Jüdische Studien, Religions- und Erziehungswissenschaft studiert und wurde 2016 mit einer Arbeit über die jüdische-christliche Simultanschule in Lengsfeld (Sachsen-Weimar-Eisenach) promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte und Interessen liegen in der deutsch-jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, der jüdischen Kultur und Religion sowie im interreligiösen Dialog.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Die Brauns und die Grünebaums«, die noch bis 15. Oktober 2017 im Lern- und Gedenkort Jawne gezeigt wird.

Donnerstag, 14.09.2017 um 15.30 Uhr

»Ich bin ein kölsch Mädchen«

Gespräch mit Henny Franks, Schülerin der jüdischen Volksschule Lützowstraße

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Henny Franks, 2015 in Köln
(Foto: Tal Kaizman)

Henny Franks hatte 1939 das große Glück, zu den Kindern zu gehören, die mit einem Kindertransport nach England ausreisen konnten. Der Schulleiter des jüdischen Gymnasiums Jawne, Dr. Erich Klibansky, organisierte diese Rettungsaktion in Köln – 130 Kinder konnten durch ihn gerettet werden.

Henny Franks wurde 1923 in Köln geboren, heute lebt die 94jährige in London. Und sie kommt uns wieder besuchen, so dass wir Gelegenheit haben, ihre Geschichte zu hören und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ferner stellen wir Materialien – Video- und Textdokumente – über Henny Franks für die Arbeit mit Schüler*innen vor, die bei ihrem letzten Besuch 2016 entstanden.

Dieses Seminar findet in Kooperation mit dem evangelischen Schulreferat Köln und Region statt. Bitte melden Sie sich bis zum 7. September 2017 verbindlich im Schulreferat (Kartäusergasse 9, 50678 Köln, Tel. 0221/33 82-274) an.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Die Brauns und die Grünebaums«, die noch bis 15. Oktober 2017 im Lern- und Gedenkort Jawne gezeigt wird.

Donnerstag, 31.08.2017 um 20.00 Uhr

Neue Wege des Gedenkens und Erinnerns – neue Ansätze zur Demokratieerziehung

Vortrag mit Stefanie Ritter und Barbara Kirschbaum

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Die Gedenkstättenpädagogik steht Anfang des 21. Jahrhunderts vor neuen Herausforderungen: die zunehmende zeitliche Distanz zum historischen Ereignis und ein multi-ethnisches Publikum, neue Medien und Konzepte, die Auseinandersetzung mit aktuellen Formen von Rechtsextremismus und Demokratiefeindschaft.

In dieser Veranstaltung geht es darum, wie Gedenkstättenpädagogik heute und in Zukunft gestaltet werden soll und wie das Erinnern an die NS-Zeit mit einer erlebnisorientierten Demokratieerziehung zusammenpasst.

Die Hamburger Künstlerin und Filmemacherin Stefanie Ritter stellt ihren Film »Lebendig weitertragen« über die Arbeit der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule Hamburg vor. Wie kann das Erinnern an den Nationalsozialismus und die Shoah weitergetragen werden, wenn die zeitliche Distanz zu den Ereignissen mehrere Generationen beträgt und die unmittelbare Begegnung mit ZeitzeugInnen kaum mehr möglich ist?

Im Juli 2017 stimmte der Rat der Stadt Köln der Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus zu einem »Haus für Erinnern und Demokratie« zu. Barbara Kirschbaum, Museumspädagogin im NS-Dokumentationszentrum, stellt das pädagogische Konzept für das neue »Erlebnismuseum« vor. Ist die Verzahnung des Erinnerns an die NS-Zeit mit einem auf eigenes Erleben und aktuelle Erfahrung ausgerichteten Ansatz eine wirksame Strategie zur Demokratieförderung und gegen Rechtsextremismus?

Referentinnen: Stefanie Ritter, Künstlerin und Filmemacherin, Hamburg; Barbara Kirschbaum, Museumspädagogin im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Die Brauns und die Grünebaums«, die noch bis 15. Oktober 2017 im Lern- und Gedenkort Jawne gezeigt wird.

Donnerstag, 20.07.2017 um 18.00 Uhr

Öffentliches Gedenken

anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation und Ermordung von 1164 jüdischen Menschen aus Köln und dem Kölner Umland

Ort: Volksgartenstraße 10, Köln (Südstadt)

Gedenkveranstaltung am Ort der ehemaligen Wohnung der Familie Klibansky

Am 20. Juli 1942 verließ gegen 15 Uhr ein als TRANSPORT DA 219 bezeichneter Zug den Köln-Deutzer Bahnhof in Richtung Minsk in Weißrussland. Darin befanden sich 1164 Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder, die sich am Tage zuvor in den Kölner Messehallen hatten einfinden müssen; einige Personen wurden auch mit Lastwagen dorthin gebracht.

Mitzubringen waren die Wohnungsschlüssel, »Wertsachen jeder Art«, ein Rucksack mit Bettwäsche und Kleidern sowie Verpflegung für drei Tage und 50 Reichsmark, denn die Reise in den Tod musste selbst bezahlt werden.

Viele Menschen kamen aus Köln, aber auch aus dem Kölner Umland, zum Beispiel aus Troisdorf und Siegburg und etwa 220 aus Bonn.

Auch Erich Klibansky, der Direktor des jüdischen Gymnasiums Jawne (St.-Apern-Straße, Nähe Friesenplatz), befand sich mit seiner Mutter, seiner Frau Meta und den drei Söhnen auf dem sogenannten TRANSPORT DA 219. Rektor Klibansky war es im Verlauf des Jahres 1939 gelungen, etwa 130 seiner Schülerinnen und Schüler mit Kindertransporten nach Großbritannien zu bringen und so vor der Deportation und Ermordung zu retten.

Nach vier Tagen erreichte der Zug schließlich den Bahnhof im fernen Minsk. Sämtliche Deportierte wurden noch am gleichen Tag in den einige Kilometer südöstlich von Minsk gelegenen Wald von Blagowschtschina gebracht und dort erschossen. Einige der Opfer wurden möglicherweise auch in sogenannten »Gaswagen« ermordet; auch diese wurden dort ab Juni 1942 bei den Tötungsaktionen eingesetzt. HistorikerInnen schätzen heute, dass mindestens 60.000 Menschen im Wald von Blagowschtschina ermordet wurden.

Am 75. Jahrestag des Verbrechens möchten wir vor der ehemaligen Wohnung der Familie Klibansky an das Geschehene erinnern, das Rettungswerk Erich Klibanskys und seine Familie vorstellen, über die Umstände der Deportation und die NS-Verbrechen in Weißrussland informieren und der Opfer gedenken.

Dazu laden wir alle Nachbarinnen, Nachbarn und alle anderen interessierten Menschen sehr herzlich ein!

Eine Veranstaltung der »Nachbarschaftsinitiative Klibansky« in Zusammenarbeit mit dem »Lern- und Gedenkort Jawne«

Freitag, 27.01.2017 um 12.30 Uhr

Gedenkstunde für die aus Köln deportierten und ermordeten Kinder

Ort: Kindergedenkstätte Löwenbrunnen, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Die Gedenkstunde wird von der Synagogen-Gemeinde Köln, dem Katholischen Stadtdekanat und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region in Verbindung mit dem Lern- und Gedenkort Jawne veranstaltet. In diesem Jahr werden neben VertreterInnen dieser Institutionen und Bürgermeister Hans-Werner Bartsch Schülerinnen und Schüler aus Leverkusen, Neuss und Mechernich die Gedenkstunde mit Beiträgen gestalten.

Dienstag, 24.01.2017 um 19.30 Uhr

»Erhobenen Hauptes. (Über)leben im Kibbuz Ma’abarot«

Dokumentarfilm und Gespräch mit den anwesenden Regisseur*innen

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Anlässlich des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zeigen wir den Dokumentarfilm »Erhobenen Hauptes. (Über)leben im Kibbuz Ma’abarot«.

Die Lebensgeschichten von fünf Personen, die zwei Dinge teilen: Sie alle sind als Kinder in Deutschland geboren und aufgewachsen und wurden als Juden und Jüdinnen ab 1933 von den Nazis verfolgt – und sie alle leben im gemeinschaftlich-sozialistisch organisierten Kibbuz Ma’abarot in Israel. Wann, wie und warum sie dorthin kamen, erzählen sie auf eindrückliche Weise. Wenn sie vom Leben im Kibbuz berichten, spürt man ihre Begeisterung und Leidenschaft.

Eine Veranstaltung des Jugendclub Courage Köln e.V. in Zusammenarbeit mit dem Lern- und Gedenkort Jawne

Donnerstag, 17.11.2016 um 19.00 Uhr

Deportiert, als alle schon ans Ende dachten: Emil Marx

Lichtbildvortrag von Josef Wißkirchen mit der Zeitzeugin Edith Schmitz

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Josef Wißkirchen (Foto: Josef Wißkirchen)

XII/10 – ein bisher übersehener Kölner Transport im Februar 1945

Noch am 14. Februar 1945, drei Wochen vor dem Einmarsch der Amerikaner, wurde der Kölner Kaufmann Emil Marx zusammen mit 13 Kölner Juden nach Theresienstadt deportiert: in einem 616 Personen umfassenden Sammeltransport von Personen aus dem Rheinland, Westfalen, Frankfurt, Halle und Leipzig. In Theresienstadt wurde der Transport mit der römischen Ziffer XII (für Frankfurt) versehen. Dass in ihm auch 13 Kölner waren, von denen zwei starben, wurde bisher übersehen. Wegen der Bombardierung Dresdens musste der Zug über Nebenstrecken umgeleitet werden.

Anhand wertvoller Dokumente aus dem Besitz der Tochter Edith Schmitz geb. Marx (u.a. mehrere Postkarten, die der Vater während der viertägigen Fahrt geschrieben hat), werden der Transport und das Schicksal der Familie genau dokumentiert. Der Vortrag fußt auf Wißkirchens 2016 im Klartext-Verlag erschienenen Buch »Verfolgte Nachbarn am Gillbach – Juden in Rommerskirchen«. Die Flucht- und Verfolgungsgeschichten zahlreicher Kölner Juden, die ihre familiären Wurzeln in Rommerskirchen hatten, werden darin beschrieben.

Edith Schmitz, die Tochter von Emil Marx, stellt sich nach dem Vortrag den Fragen des Publikums (Moderation: Manfred Hoeffken, WDR).

Samstag, 29.10.2016 um 20.00 Uhr

Kölner Museumsnacht 2016

Ausstellung, Konzert und Film

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz

Am Samstag, 29. Oktober 2016 beteiligt sich der Lern- und Gedenkort Jawne wieder an der Kölner Museumsnacht.

Jacques Neureuter spielt „seltene Celloklänge für eine lange Nacht“ (Foto: Jacques Neureuter)

Programm

20.00 Uhr

Vernissage der Ausstellung »erinnertes vergessen« und Vortrag

Synagogenarchitektur in Deutschland heute von Ulrich Knufinke (Architekturhistoriker, Kurator und Autor)Seit 1990 sind in Deutschland zahlreiche neue Synagogen und jüdische Gemeindeeinrichtungen entstanden. Die manchmal spektakulären Bauwerke, die in Wort und Bild vorgestellt werden, gehören zu den interessantesten Beispielen gegenwärtiger Architektur und weisen auf die reiche, zugleich aber umstrittene religiöse und kulturelle Vielfalt in unseren Städten hin.

21.00 und 22.00 Uhr

Konzert: Seltene & magische Celloklänge für eine lange Nacht

Ausgewählte Stücke für Cello aus dem 20. Jahrhundert, gespielt von Jacques Neureuter.

23.00 Uhr

Film: Ein vergessener Gerechter. Konsul Feliks Chiczewski (1889–1972)

Ein berührender Dokumentarfilm aus dem Jahr 2015 von Jacek Kubiak und der Fundacja TRES über die »Polenaktion« 1938 in Leipzig und den Mut eines polnischen Diplomaten. Gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Donnerstag, 06.10.2016 um 19.30 Uhr

Faschismen und Shoah auf Korfu

Buchvorstellung und Diskussion mit Diana Siebert

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Die Korfu war früher eine international hart umkämpfte griechische Insel. Hier lebten seit Jahrhunderten nicht nur Orthodoxe, sondern auch Juden und Katholiken. Selbst nach einem Pogrom 1891 wohnten hier 2.000 Menschen im jüdischen Stadtviertel. Das blieb auch so, als Griechenland Monarchie, Republik, faschistische Diktatur und von Mussolini besetzt war. Doch die deutschen Besatzer deportierten 1944 fast die gesamte griechische Bevölkerung jüdischer Konfession ins Vernichtungslager nach Auschwitz. Wie konnte das passieren?

Die Historikerin Diana Siebert räumt dieser Frage in ihrer neuen Veröffentlichung »Aller Herren Außenposten – Korfu von 1797 bis 1944« breiten Raum ein.

Der Jugendclub Courage Köln e.V. lädt gemeinsam mit der Initiativgruppe Griechische Kultur (POP) und dem Lern- und Gedenkort Jawne zur Vorstellung des Buches und zur Diskussion mit der Autorin ein.

Donnerstag, 30.06.2016 um 19.00 Uhr

»Geben Sie diese Kinder nicht auf!«

Kindertransport nach Belgien und die Schicksale der Bewohner des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken 1938–1945

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Buchvorstellung mit Anne Prior, Dinslaken

(Foto: Anne Prior)

Das neue Buch von Anne Prior rekonstruiert ein fast unbekanntes Kapitel aus der Geschichte der Kindertransporte aus NS-Deutschland, in dem auch Köln eine wichtige Rolle spielt.

Ende Dezember 1938 erreichten 250 jüdische Kinder und Jugendliche aus Deutschland mit dem ersten von insgesamt vier Kindertransporten das Nachbarland Belgien. Unter dem Eindruck der Ereignisse vom 9./10. November hatte der belgische Staat den unbegleiteten Kindern die Einreise bewilligt. Auch Kinder und Jugendliche aus dem Israelitischen Waisenhaus Dinslaken gelangten mit diesem Transport nach Brüssel, nachdem das Gebäude am Morgen des 10. November 1938 überfallen, teilweise zerstört und seine Bewohner vertrieben worden waren. In den folgenden Tagen gelangten die Kinder und Jugendlichen nach Köln.

Im Wohlfahrtsamt der Synagogengemeinde Köln in der Rubensstraße 33 erfolgten in den nächsten Wochen die Vorbereitungen für die Kindertransporte nach Belgien. Die Kinder aus dem Waisenhaus erreichten Ende Dezember 1938 mit Kindern und Jugendlichen aus dem gesamten Rheinland, aber auch aus Berlin und Wien, das Nachbarland Belgien.

Mittwoch, 25.05.2016 um 19.00 Uhr

»L’chaim! – Auf das Leben!«

Film und Diskussion mit Regisseur Elkan Spiller

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Nechuma Lubelski und ihr Sohn Chaim
Foto: Elkan Spiller

Chaim ist 63 und zieht zu seiner Mutter, einer KZ-Überlebenden, in ein jüdisches Altenwohnheim. Das gemeinsame Leben der beiden ist von Zärtlichkeit, liebevollen Sticheleien und Humor geprägt. Mit großer Nähe begleiteten wir ihren Alltag, teilen ihre Gedanken und ihr Lachen. Der Film wirft Fragen zur Familie auf, Fragen nach dem, was uns die Eltern mit- und was wir ihnen zurückgeben. Lebenskünstler Chaim scheint verloren zu sein, doch er ist überall zu Hause und dabei immer authentisch. Auf das Leben!

»L’chaim! – Auf das Leben!«, Dokumentation, Elkan Spiller, D 2015, 92 Min.
Trailer zum Film »L’chaim! – Auf das Leben!«

Eine Veranstaltung in der Reihe »Rückkehr nach Deutschland«. Die Reihe versucht die Geschichte von Juden zu ergründen, die nach 1946 zurück nach Deutschland kamen.

Veranstalter: Jüdischer Nationalfonds in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Jawne.

Sonntag, 24.04.2016 um 17.00 Uhr

Reisebericht

mit Peter Finkelgruen und David Seehaus-Finkelgruen

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Peter Finkelgruen und sein Enkel David Seehaus-Finkelgruen erzählen von ihrer Reise nach Shanghai, dem Geburtsort von Peter Finkelgruen

Eine Veranstaltung in der Reihe »Rückkehr nach Deutschland«. Diese Reihe versucht die Geschichte von Juden zu ergründen, die nach 1946 zurück nach Deutschland kamen.

Veranstalter: Jüdischer Nationalfonds in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Jawne.

Sonntag, 10.04.2016 um 16.00 Uhr

»Das werde ich nie vergessen…«

Tamar und Harry Dreifuss sprechen über Erinnerung und Zeitzeugenschaft

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Tamar und Harry Dreifuss

Tamar und Harry Dreifuss sind Zeitzeugen und Überlebende des Holocaust. Zwischen 1935 und 1948 kamen beide auf unterschiedlichen Wegen nach Israel und zogen später gemeinsam nach Deutschland.

In einem moderierten Gespräch werden Tamar und Harry Dreifuss über ihre Leben zwischen Europa und Israel sprechen. Harry Dreifuss wird zudem einen Kurzfilm zeigen, den er 1962 über seine Remigration nach Deutschland gemacht hat.

Moderation: Philine Lissner und Viola Steiner-Lechner, Universität Düsseldorf

Teil der Veranstaltung ist eine Ausstellung mit Fotos aus dem Privatarchiv von Tamar und Harry Dreifuss und Zeichnungen verschiedener Künstlerinnen und Künstler.

Donnerstag, 24.03.2016 um 19.00 Uhr

Video-Interview mit Karla Yaron (Jerusalem)

Filmveranstaltung

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Karla Yaron, Jerusalem, 2007
(Foto: Jörn Neumann)

Karla Yaron (geb. Rath) kam am 08. Juli 1925 als Kind einer jüdisch-liberalen Familie in Düsseldorf zur Welt. Nach der Pogromnacht 1938 verließ Karla ihre Schule in Düsseldorf und wechselte an das jüdische Gymnasium Jawne in Köln. Durch die Initiative ihres Schuldirektors Erich Klibansky konnte sie im Sommer des Jahres 1939 mit einem der sogenannten Kindertransporte Deutschland verlassen und so der Deportation und Ermordung durch die Nazis entkommen.

Die Kriegsjahre und die nachfolgende Zeit verbrachte Karla in England. Dort fand sie Kontakt zur religiös-zionistischen Jugendbewegung Bachad und nahm an einem Vorbereitungsprogramm (Hachschara) für ein landwirtschaftliches und kollektives Leben in Palästina bzw. Israel teil. In diesem Zusammenhang lernte sie auch ihren späteren Mann Zvi kennen, mit dem sie 1950 nach Israel ging. Dort lebte und arbeitete sie einige Jahre im Kibbuz Lavi, später in Jerusalem und wurde Mutter von zwei Kindern. Karlas Mutter, Paula Bernhard-Rath, wurde im November 1941 von Düsseldorf nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Die Umstände ihrer Rettung, der Kindertransport und die Zeit in England haben Karlas Leben entscheidend geprägt. Die Erinnerung an ihre Rettung durch Erich Klibansky war ihr immer ein wichtiges Anliegen und auch mit ihren Freundinnen aus der Zeit der Kindertransporte pflegt sie bis heute einen wöchentlichen und intensiven Kontakt.

Im Interview berichtet sie jedoch nicht nur über ihre Familie, Kindheit, Schulzeit und die Rettung nach England, sondern auch über ihren Alltag in einem Jerusalemer Altersheim in dem sie sehr gerne zuhause ist, über ihr soziales Engagement bzw. ihren Wunsch, »etwas an das Leben zurückzugeben«, ihr selbstverständliches Verhältnis zur jüdischen Religion und die Wichtigkeit der Weitergabe von Erinnerung und Geschichte an Kinder, Enkel und zukünftige Generationen.

Die Projektion dauert etwa 75 Minuten und wird kommentiert von Wolfgang Richter.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Nie wieder Rosenmontag« die noch bis zum 30. März 2016 im Lern- und Gedenkort Jawne zu sehen ist.

Mittwoch, 27.01.2016 um 12.30 Uhr

Gedenkstunde für die deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln

Ort: Kindergedenkstätte Löwenbrunnen, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Am Mittwoch, 27. Januar 2016, dem Holocaustgedenktag, findet auch in diesem Jahr am Löwenbrunnen eine Gedenkstunde für die deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln statt. Dazu laden die Synagogen-Gemeinde Köln, das Katholische Stadtdekanat und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region gemeinsam mit dem Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne ein.

Der Löwenbrunnen, der am Ort des ehemaligen jüdischen Gymnasiums Jawne steht, trägt die Namen von über 1100 deportierten und ermordeten jüdischen Kindern und Jugendlichen aus Köln und ist ein wichtiger Ort des Erinnerns. Besonders wichtig ist die Einbeziehung von SchülerInnen in die Erinnerungsarbeit, daher wird die Gedenkstunde von SiebtklässlerInnen der Gesamtschule Mechernich und der Realschule Hackenbroich mitgestaltet. Auch Grundschülerinnen und -schüler der Olympis-Grundschule in Köln bringen sich mit einem Beitrag ein.

Update: Der WDR hat in seiner »Lokalzeit Köln« einen kurzen Beitrag zur Gedenkstunde gesendet.

Samstag, 23.01.2016 um 17.00 Uhr

Video-Interview mit Margot Plesser (Jerusalem)

Filmveranstaltung

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Margot Plesser wurde am 13.11.1927 als Tochter der Familie Dünner in Köln geboren. Ihr Vater Lasar Dünner war einer der letzten Rabbiner der Synagoge an der Glockengasse. Während ihrer ersten vier Schuljahre besuchte Margot die Moriah, der Grundschule der orthodoxen Gemeinde Adass Jeschurun in der St.-Apern-Straße.

Nachdem die Lebensumstände für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger wurden, beschlossen ihre Eltern, sie zu Verwandten nach Amsterdam zu schicken. Nach den Sommerferien des Jahres 1938 kehrte sie von dort nicht mehr nach Deutschland zurück. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen geriet auch die Familie Dünner in die Verfolgungsmaschinerie der Nazis. Margots Eltern und Geschwister wurden deportiert und in verschiedene der nationalsozialistischen Lager verschleppt. Margot jedoch konnte durch unglaubliches Glück im buchstäblich letzten Augenblick entkommen und wurde bis zum Ende des Krieges von niederländischen Familien versteckt.

Im Interview berichtet Margot detailreich und persönlich von den Umständen der Verfolgung in Amsterdam, ihrer unglaublichen Flucht vor SS-Hauptsturmführer Ferdinand Aus der Fünten und seinen Schergen, aber auch von der Solidarität und Wärme, die sie erfuhr und die ihr das Leben gerettet hat.

Margot berichtet auch über die Umstände des in der Öffentlichkeit wenig bekannten »TRANSPORT 222«, eine der sehr seltenen »Menschenhandelsaktionen«, bei denen jüdische Häftlinge, darunter auch Teile ihrer Familie, gegen sogenannte »Auslandsdeutsche« ausgetauscht wurden und so den Weg in die Freiheit fanden.

Schließlich in Israel geriet Margot durch ihre eigene, aber auch die berufliche Tätigkeit ihres Mannes wieder in die deutsche Stadt ihrer Kindheit. Dies tat sie nicht gerne und auch nicht lange. Die Berichte über die von ihr erlebte Kölner Nachkriegsatmosphäre und die Tätigkeiten ihres Mannes in der damals in Köln ansässigen »Israel-Mission« (Handelsmission zur Abwicklung von Entschädigungsabkommen) sind aber ebenso spannend, lehrreich und interessant wie die übrigen Teile dieses sehr plastischen Zeugnisses.

Margot Plesser lebt heute in Jerusalem.

Die Projektion dauert etwa 100 Minuten, einschließlich einer kurzen Pause, und wird kommentiert von Wolfgang Richter.

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Nie wieder Rosenmontag« die noch bis zum 30. März 2016 im Lern- und Gedenkort Jawne zu sehen ist.

Mittwoch, 23.12.2015 um 17.00 Uhr

Video-Interview mit Shmuel Hatsor (Kibbuz Kfar HaNassi)

Filmveranstaltung

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Shmuel Hatsor (1924 geboren als Samuel Königshöfer) lebte mit seiner Mutter und seinen vier Geschwistern in der Kölner Innenstadt und besuchte die Schulen der orthodoxen Gemeinde »Adass Jeschurun« in der St.-Apern-Straße, bis sein Schuldirektor Erich Klibansky ihm 1939 mit einem Kindertransport die Ausreise nach England ermöglichte. Sein früher Kontakt zur zionistischen Jugendbewegung »Habonim« prägte sein gesamtes späteres Leben auf entscheidende Art. Nachdem er sich aktiv an der Organisation der illegalen Einreise in das britische Mandatsgebiet Palästina beteiligte, wurde 1947 sein Traum von einem kollektiven Leben in Israel auch für ihn Wirklichkeit.

Shmuel ist Mitbegründer des Kibbuz Kfar HaNassi im Norden Israels, dem er bis heute treu geblieben ist. Die Geschichten aus den Gründungstagen des Kibbuz bieten konkrete Einblicke in die hoffnungsvolle Zeit eines persönlichen Neuanfangs und den Aufbau einer neuen Gesellschaft in einem neuen Land.

Die »Rückseite« seiner persönlichen Erfolgsgeschichte als Habonim-Aktivist und Kibbuznik verschweigt Shmuel jedoch nicht. Die Beschäftigung mit der Ermordung seiner Eltern in Auschwitz war lange verdrängt und bleibt schmerzhaft, seine Haltung zu Deutschland ist äußerst distanziert und auch sein Blick auf das Israel heutiger Tage ist wenig hoffnungsvoll…

Die Projektion (Englisch mit deutschen Untertiteln) dauert etwa 80 Minuten und wird kommentiert von Wolfgang Richter

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung »Nie wieder Rosenmontag« die noch bis zum 30. März 2016 im Lern- und Gedenkort Jawne zu sehen ist.

Samstag, 24.10.2015 um 21.00 Uhr

Kölner Museumsnacht 2015

Lesung, Konzert und Film

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Am 24. Oktober 2015 beteiligt sich der Lern- und Gedenkort Jawne wieder an der Kölner Museumsnacht, auch in diesem Jahr mit einem spannenden Programm um 21, 22 und 23 Uhr. Wir laden herzlich ein!

Programm

21 Uhr
Kommentierte Lesung aus den Tagebüchern der Jawne-Schülerin Hanna Maass
„Wir landeten noch in Cypern und darauf – hurra – in Erez Jisrael …“

Als die Jawne-Schülerin Hanna Maass im Juni 1933 begann, Tagebuch zu führen, war sie 13 Jahre alt und wohnte mit ihrer Familie am Ubierring 51 in Köln. Ihre liebevollen und detaillierten Aufzeichnungen gewähren einen sehr persönlichen Blick in den Schul- und Familienalltag, aber auch auf die antisemitische Diskriminierung und die Atmosphäre jüdischer Auswanderung im Köln der frühen 1930er Jahre.Gelesen von Bita Berentzen, kommentiert von Wolfgang Richter.

Asasello Quartett (Foto: Hermann und Clärchen Baus)

22 Uhr
Konzert: ASASELLO-Quartett

Die aus Russland, der Schweiz, Polen und Finnland stammenden MusikerInnen des Kölner Asasello-Quartetts haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre packende Unmittelbarkeit sowie den selbstverständlichen Umgang mit der Musik der Gegenwart als auch des klassisch-romantischen Repertoires einen hervorragenden Ruf erspielt.
Im Lern- und Gedenkort Jawne präsentiert das Quartett das äußerst selten aufgeführte Streichquartett Nr. 1 von Arthur Lourié aus dem Jahre 1915. Mit diesem gelang ihm damals ein ganz großer Wurf: Es findet ein spannendes und gestenreiches Gespräch zwischen der französischen Moderne (Ravel/Debussy) und dem jungen russischen Futurismus statt.
Arthur Lourié (Naum Israilewitsch Lurja, 1892-1966) wurde als Sohn einer jüdischen Familie in Propoisk geboren. Nach der Revolution von 1917 wirkte Lourié als erster Chef der Musikabteilung des Volkskommissariats für Aufklärung. Weil seine Sympathien dem linken Flügel der Revolution gehörten, geriet er ins Visier der neuen Machthaber und musste Russland im Sommer 1922 verlassen. Danach lebte er in Berlin und Paris. Von dort floh er 1941 vor den Nationalsozialisten in die USA.

Der ehemalige Jawne-Schüler Manfred Simon floh 1939 mit seinen Eltern nach New York (Bild: Max Geilke)

23 Uhr
Filmisches Interview mit Manfred Simon (New York City)
Oh My God. They Have Black Snow in the United States!

Fünfundsiebzig Jahre nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland kehrt Manfred Simon, Sohn einer Kölner Metzger-Familie, im Juni 2014 an den Ort der jüdischen Schule zurück, die er als Kind besuchte. Seine in die Kamera gesprochenen Erinnerungen an eine Kindheit auf der Weidengasse und die Umstände der Flucht in die USA, aber auch seine Gedanken, wenn er den ehemaligen Schulhof heute betritt, sprechen eine bewegende und klare Sprache.

Dienstag, 07.07.2015 um 18.30 Uhr

Gespräch mit dem ukrainischen Historiker und Zeitzeugen Boris Zabarko

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Boris Zabarko wird unter anderem darüber sprechen, wie der Holocaust in der Sowjetunion ignoriert und das Gedenken an Babi Jar unterdrückt wurde, welche leeren Versprechungen seit der Unabhängigkeit der Ukraine gemacht worden sind und was er über die Glorifizierung von Bandera denkt.

Dr. Boris Zabarko, geb. 1935, lebt in Kiew. Er ist Überlebender des Ghettos Schargorod. Nach dem Krieg studierte er an der Universität von Czernowitz Geschichte. Seit 2004 ist er Präsident der ukrainischen Vereinigung jüdischer ehemaliger Häftlinge der Ghettos und nationalsozialistischen Konzentrationslager. Er sammelt und veröffentlicht die Berichte der Ghetto-Überlebenden der Ukraine. 2004 erschien in Deutschland der Erinnerungsband „Nur wir haben überlebt“ Im Oktober 2009 wurde er für seine Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Dienstag, 19.05.2015 um 18.30 Uhr

Ludwig Meidner. Der heißeste Krater einer vulkanischen Epoche

Vortrag

Ort: Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26 / Erich-Klibansky-Platz, Köln

Vortrag von Erik Riedel (Frankfurt am Main) anlässlich der Wiedereröffnung der Ausstellung „HORCHER IN DIE ZEIT – Ludwig Meidner, Expressionist, Zeichenlehrer an der Jawne“

Ludwig Meidner, Apokalyptische Stadt, 1913 (Bild: Westfälisches Landesmuseum Münster)

Der Maler, Zeichner und Dichter Ludwig Meidner ist vor allem wegen seiner „Apokalyptischen Landschaften“ bekannt. Diese gemalten Katastrophenszenarien und Weltuntergangsvisionen, die bereits ab 1912 entstanden, wurden (nicht nur von Meidner selbst) als Vorahnungen des Ersten Weltkriegs interpretiert. Als expressionistischer Zeichner und Grafiker porträtierte er zahlreiche Dichter und Intellektuelle der Berliner Kulturszene und schuf Illustrationen für Bücher und Zeitschriften.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich der jüdischen Religion zu und proklamierte seinen „Gang in die Stille“ – so der Titel seines 1929 erschienen Bandes mit autobiographischer Kurzprosa. Durch die Nationalsozialisten wurde er als „entartet“ verfemt und nahm, um dem steigenden antisemitischen Druck in Berlin zu entgehen, eine Stelle als Zeichenlehrer am jüdischen Reformrealgymnasium Jawne in Köln an. Buchstäblich in letzter Sekunde, im August 1939, emigrierte Meidner nach England. Nach der Rückkehr aus dem Exil war Meidner beinahe vergessen, und es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis sein Werk wieder angemessen gewürdigt wurde.

Der Vortrag stellt Leben und Werk dieses faszinierenden Künstlers vor, den der Kunstkritiker Willi Wolfradt treffend als den „heißesten Krater der vulkanischen Epoche“ des Expressionismus charakterisierte.

Erik Riedel ist Kunsthistoriker und Kurator des Ludwig Meidner-Archivs am Jüdischen Museum Frankfurt, das den künstlerischen Nachlass Meidners betreut.