Aktuelles

Donnerstag, 28. Januar 2021

Video »Vernichtungsort Malyj Trostenez«

Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt »Leonid Lewin« (Minsk) © IBB-Dortmund

Dr. Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt »Leonid Lewin« Minsk, erläutert in einer virtuellen Exkursion zum Vernichtungsort Malyj Trostenez die weitläufige Erinnerungslandschaft am Rande von Minsk, der Hauptstadt von Belarus. Dort wurden vom Frühjahr 1942 bis Oktober 1943 mindestens 60.000 Menschen – Partisan*innen, Kriegsgefangene, Juden und Jüdinnen aus Belarus und anderen Teilen der Sowjetunion wie auch aus Deutschland, Österreich und Tschechien deportierte Juden und Jüdinnen – ermordet. Das Video gibt einen Überblick über die während der deutschen Besatzung an diesem Ort begangenen Verbrechen und die Entwicklung der Erinnerungskultur seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute.

Der Lern- und Gedenkort Jawne ist auf besondere Weise mit diesem Ort verbunden:
Am 20. Juli 1942 wurden mehr als 1.100 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Köln und dem Rheinland nach Minsk deportiert, darunter viele Schüler:innen der Jawne, sowie Schulleiter Erich Klibansky und seine Familie. Sie alle wurden direkt nach der Ankunft in Malyj Trostenez ermordet.

Das Video wurde vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB-Dortmund) zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2021 veröffentlicht.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Online-Gedenkstunde »Löwenbrunnen«

Isabell vom Gymnasium Thusneldastraße (Köln-Deutz) bei einem musikalischen Beitrag für die Online-Gedenkstunde © Amt f. Presse u. Kommunikation

Da wir uns aufgrund der Pandemie diesmal nicht gemeinsam am Löwenbrunnen treffen konnten, haben alle Beteiligten Videobeiträge erstellt, die zu einer Online-Gedenkstunde zusammengefügt wurden.

Wie immer war dies eine gemeinsame Veranstaltung der Synagogen-Gemeinde Köln, des Katholischen Stadtdekanats und des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region in Verbindung mit dem Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne.

Unser herzlicher Dank gilt allen Beteiligten der Evangelischen und Katholischen Kirche, der Synagogen-Gemeinde Köln, der Stadt Köln und der drei beteiligten Schulen: Thusnelda-Gymnasium Köln, Schiller-Gymnasium Köln und Collegium Josephinum Bonn. Wir danken dem Amt für Presse und Kommunikation des Ev. Kirchenverbandes für die technische Realisierung dieses Projektes!

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Wir trauern um Harry Dreifuss

Am 16. Dezember 2020 ist unser Freund Harry Dreifuss gestorben. Wir sind sehr traurig.

Harry Dreifuss wurde am 18. Mai 1935 in Mannheim geboren. Er war erst wenige Monate alt, als seine Eltern und Großeltern sich entschieden, vor der nationalsozialistischen Verfolgung zu flüchten und eine neue Heimat in Palästina zu suchen. So wuchs Harry in Tel Aviv auf, ging dort zur Schule, erlebte das Kriegsende und 1948 die israelische Staatsgründung.

Schon als Jugendlicher interessierte sich Harry, der in Tel Aviv den hebräischen Namen „Zwi“ angenommen hatte, für Fotografie. Während seines Dienstes in der israelischen Armee arbeitete er dort auch im Fotolabor und plante anschließend ein Studium von Film und Fotografie in Deutschland. Seine Freundin Tamar Shapiro konnte sich anfangs nicht vorstellen, ihm nach Köln zu folgen, wo Harry an der Fachhochschule für Fotografie eingeschrieben worden war. 1959 heirateten die beiden in Israel. Schließlich entschied sich Tamar doch, zu ihrem Mann nach Köln zu ziehen. Tamar und Harry Dreifuss fanden Anschluss an die Synagogengemeinde, wo Tamar als Erzieherin und Religionslehrerin arbeitete.

Harry Zwi Dreifuss wurde Kameramann und arbeitete für dokumentarische Film- und Fernsehproduktionen. 1962 drehte er in eigener Regie einen kurzen Spielfilm mit dem Titel „Begegnungen“, der eine schwierige Rückkehr aus Israel nach Deutschland thematisiert.
2006 wurde im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln eine Ausstellung über den Lischka-Prozess in Köln 1979/80 gezeigt. Teil dieser Ausstellung war auch die Geschichte von Harry Dreifuss, der 1971 als Kameramann mit Serge und Beate Klarsfeld den NS-Verbrecher Kurt Lischka in Köln aufgespürt und gefilmt hatte.

Schon viele Jahre hatte Tamar Dreifuss als Zeitzeugin an die Geschichte ihrer aus Wilna stammenden Familie erinnert. In den folgenden Jahren engagierten sich Tamar und Harry auch immer wieder gemeinsam in Zeitzeug*innen-Projekten. Harry Dreifuss wurde für Jugendliche und Erwachsene, die sich mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen auseinandersetzen wollten, ein überaus wichtiger Gesprächspartner.

Harry hatte die wunderbare Begabung, auf eine leise und freundliche Art zwischendrin etwas Lustiges zu sagen, auch, wenn es eigentlich im Gespräch um ernste Themen ging. Tamar und Harry warfen sich dabei oft die Bälle zu, und es wurde immer viel gelacht an den Nachmittagen, an denen sie ihre Freunde und Freundinnen in ihr gastfreundliches Haus nach Pulheim eingeladen hatten. Auch das wird uns sehr fehlen.

Im Sommer 2021 werden wir im Lernort Jawne zu einem Erinnerungsabend für Harry einladen.

Wir trauern mit Tamar und der Familie Dreifuss

Köln, im Dezember 2020
Vorstand und Mitglieder des Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne

Samstag, 28. November 2020

28. November 1900 | 28. November 2020

Foto: Jona Hatsor

An seinem 120. Geburtstag erinnern wir an Erich Klibansky, von 1929 bis 1942 Direktor des jüdischen Gymnasiums Jawne und Retter von etwa 130 Schülerinnen und Schülern, die nur durch seine Hilfe und sein organisatorisches Geschick aus Nazi-Deutschland ausreisen konnten und überlebten.

Erich Klibansky wurde nur 41 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Familie wurde er am 20. Juli 1942 von Köln nach Minsk deportiert und am 24. Juli 1942 im Wald von Blagowschtschina erschossen.

Montag, 13. Juli 2020

Erklärung zur Schändung der Gedenkstätte Löwenbrunnen

In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 2020 wurden mehrere Brunnen in Köln mit der Parole »animals bleed for human greed« und einem symbolischen Stierkopf besprüht. Das Wasser dieser Brunnen wurde rot eingefärbt.

Einer dieser Brunnen ist der Löwenbrunnen am Erich-Klibansky-Platz in Köln vor dem Lern- und Gedenkort Jawne, in dem nun »blutiges« Wasser floss.

In die Seitenwände des Brunnens sind die Namen von aus Köln deportierten und ermordeten Kindern eingraviert. Eine Statue »Löwe von Juda« von Herman Gurfinkel, einem überlebenden jüdischen Künstler, der in seiner Jugend das Gymnasium Jawne besuchte, steht in der Mitte des Brunnens. Den Löwenbrunnen am relativ versteckt in der Innenstadt liegenden kleinen Erich-Klibansky-Platz kennen nicht viele Menschen, auch nicht in Köln. Die Täter:innen müssen von seiner Existenz gewusst haben und sie müssen auch gewusst haben, dass es sich hier um eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer der Shoah handelt.

Mitglieder und Vorstand des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne sind schockiert über die Schändung des Brunnens. Wir können uns keine Argumentation vorstellen, die diese Schändung erklärt, und wir wollen es auch nicht. Es ist einfach nur zum Kotzen.

Köln, 13. Juli 2020
Lern- und Gedenkort Jawne – Arbeitskreis und Förderverein