Ludwig Meidner (rechts) und Musiklehrer Julius Goldberg vor dem Schulgebäude der Jawne, 1937 (Foto: Jonas Königshöfer)
Der Maler, Zeichner und Dichter Ludwig Meidner wurde aufgrund seines künstlerischen Schaffens als Expressionist und seiner als jüdisch definierten Herkunft im Nationalsozialismus diffamiert und verfolgt. Um dem steigenden antisemitischen Druck in Berlin zu entgehen, nahm er 1935 eine Stelle als Zeichenlehrer am jüdischen Reform-Realgymnasium Jawne in Köln an. Im August 1939 emigrierte Meidner nach England.
Meidner war immer ein Mahner in seiner Zeit, so wurden seine »Apokalytischen Landschaften« , die bereits ab 1912 entstanden, als Vorahnungen des Ersten Weltkriegs interpretiert. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1952 sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis sein Werk wieder angemessen gewürdigt wurde.
Die Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche “verbrannt & verbannt” des Vereins EL-DE-Haus zur Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nazis vor 90 Jahren. Mehr Information unter: https://verbranntundverbannt.info
Einführung in die Ausstellung mit anschließendem Umtrunk
Der ehemalige Jawne-Schüler Jona Hatsor (früher Jonas Königshöfer) und der Lern- und Gedenkort Jawne waren im Rahmen verschiedener Projekte sowie einer persönlichen Freundschaft eng miteinander verbunden. Nachdem Jona im April 2015 starb, fanden sich in seinem Nachlass auch unmittelbar mit dem Unterricht an der Jawne verbundene Dokumente in Form von Schulheften, Schulbüchern, Linoldrucken und Zeichnungen.
Vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Auslöschung der Geschichte der Jawne und des jüdischen Zentrums, das sich in der St.-Apern-Straße befand, sind die erhalten gebliebenen Zeugnisse des kreativen Geschehens und Lernens an diesem Ort von größter Bedeutung. Einige dieser besonderen und wertvollen Dokumente werden in unserer neuen Sonderausstellung nun erstmals öffentlich gezeigt.
An diesem Abend möchten wir über Hintergründe zum Schicksal der Familie Königshöfer informieren, einige der Exponate in den näheren Augenschein nehmen und dazu einladen bei Apfelsaft oder einem Schluck Wein die Ausstellung kennenzulernen.
Die Geschwister Ludwig, Lea, Jonas und Samuel Königshöfer im Jahr 1929
Der ehemalige Jawne-Schüler Jona Hatsor (früher Jonas Königshöfer) und der Lern- und Gedenkort Jawne waren zwischen 2007 und seinem Tod im April 2015 im Rahmen verschiedener Projekte eng miteinander verbunden. Die fünf Kinder der Familie Königshöfer besuchten die Grundschule Moriah, die Söhne Samuel und Jonas später auch das Gymnasium Jawne.
Bei der Durchsicht des umfangreichen Nachlasses von Jona Hatsor fanden sich verschiedene unmittelbar mit dem Unterricht an der Jawne verbundene Dokumente in Form von Schulheften, Schulbüchern, losen Aufsätzen, Linoldrucken und Zeichnungen. Einige dieser sehr besonderen und wertvollen Dokumente werden nun erstmals öffentlich gezeigt. Von Jonas’ Schulheften und einigen seiner Zeichnungen haben wir hochwertige Reproduktionen anfertigen können. Vor dem Hintergrund der nahezu vollständigen Auslöschung der Geschichte der Jawne und des jüdischen Zentrums, das sich in der St.-Apern-Straße befand, sind die Zeugnisse des kreativen Geschehens und Lernens an diesem Ort von größter Bedeutung.
Neben einer Reihe von Einzelbildern des fotobegeisterten Jonas sind kommentierte Reproduktionen dreier sehr unterschiedlicher Fotoalben zu sehen, darunter die liebevoll angefertigte Dokumentation einer Reise nach Palästina im Jahr 1936, die er als Fünfzehnjähriger bei einem Aufsatzwettbewerb gewann.
Briefe und Postkarten geben Einblick in die Situation und Entwicklung der Geschwister, die mit Kindertransporten nach England gelangten. Ihre Mutter Else konnte aufgrund der strengen Zensur ihre Verzweiflung kaum ausdrücken und versuchte die Beschreibung ihrer persönlichen Situation und der Bedingungen in Deutschland zwischen den Zeilen zu verstecken.
Weitere Dokumente informieren über Jonas’ freiwilligen Dienst als Soldat in der britischen Armee sowie über die Verhaftung, Deportation und Ermordung seiner Eltern – Else und Leo Königshöfer – in Auschwitz.
Wir freuen uns über Ihr Interesse!
Gruppenführungen sind, nach Absprache, auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Anfragen dazu bitte per E-Mail an info@jawne.de
Am 27. Januar 2023, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, wird am Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz in Köln eine Gedenkstunde stattfinden.
Beginn ist um 12:30 Uhr.
Die Gedenkstunde gestalten Vertreter:innen der Synagogen-Gemeinde Köln, der evangelischen und katholischen Kirche und der Stadt Köln sowie Schüler:innengruppen u.a. aus dem Gymnasium Rodenkirchen und dem Städtischen Gymnasium Hennef.
Ludwig Dunkel verarbeitet in vielfältiger Weise mit sehr unterschiedlichen Mitteln der Kunst Motive und Gedanken der Erinnerung an historische Ereignisse. Dies bezieht sich bei ihm in vielen Arbeiten auf die Geschichte des Holocausts. Dunkel verwendet Alltags- und Gebrauchsgegenstände, die er für seine Skulpturen neu montiert, bearbeitet und verfremdet. Er arbeitet mit Farbe, Schriften, Fotografie und Film. Seine Methode mobilisiert die jedem Ding innewohnende Geschichte. Die Gegenstände werden zu widerständigen Objekten und Bildern und weisen über ihre eigene Alltäglichkeit hinaus. Er stellt sie in das Spannungsverhältnis von szenischer Erzählung einerseits und der Abstraktion eines autonomen Kunstwerks andererseits.
Ludwig Dunkel, geboren 1961 in Neuss, bildender Künstler, lebt in Köln.
Drei Schulklassen aus Köln werden die Gedenkstunde mit inhaltlichen Beiträgen gestalten. U.a. werden Schüler:innen der Königin-Luise-Schule Einblicke in die Biografie von Charlotte Gabel-Weissberg geben. Ihre Familie gehörte zur Gemeinde Adass Jeschurun, sie selbst besuchte die Königin-Luise-Schule. Wir freuen uns sehr, dass eine Nichte von Charlotte Gabel-Weissberg aus Jerusalem anwesend sein wird.
Giesberts-Lewin-Preis, Skulptur von Ansgar Nierhoff (Foto: Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit)
Am 22. November 2021 wurden die Zeitzeugin und Shoah-Überlebende Tamar Dreifuss sowie der Lern- und Gedenkort Jawne mit dem Giesberts-Lewin-Preis ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit herausragendes ehrenamtliches Engagement im Einsatz gegen rassistische und antisemitische Tendenzen in der Gesellschaft und für Toleranz und Völkerverständigung in Politik, Gesellschaft und Kultur.
Die Preisverleihung fand in den Räumen des Käthe Kollwitz Museums statt. Unter nachstehendem Link lässt sich die Videoaufzeichnung der Veranstaltung anschauen.
Auf dem Schulhof der Jawne – eine Spurensuche für Kinder und Eltern
Uhrzeit: 12 – 13 Uhr Referent: Adrian Stellmacher
Wir laden ein zu einer Spurensuche für Kinder und Erwachsene rund um den ehemaligen Schulhof des jüdischen »Reform-Realgymnasiums Jawne«. Das Schulgebäude steht nicht mehr, aber auf dem Gelände gibt es viele Spuren, die die Geschichte der Schule und ihrer Schüler*innen erzählen. So erfahrt Ihr auch, was es mit dem Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz auf sich hat.
St. Apernstraße 29 – 31: Ein Spaziergang des Lern- und Gedenkorts Jawne zur Geschichte eines Kölner jüdischen Ortes
Uhrzeit: 14 – 15 Uhr Referentin: Dr. Ursula Reuter
Rund um den heutigen Erich-Klibansky-Platz befand sich bis 1942 ein Zentrum jüdischen Lebens und Lernens in Köln: die Synagoge der Gemeinde Adass Jeschurun, ein Lehrerseminar, die Volksschule Moriah sowie seit 1919 das Reform-Realgymnasium Jawne. Heute erinnert der Lern- und Gedenkort Jawne an die Geschichte des Ortes und derjenigen, die dort lehrten und lernten.
Dr. Aliaksandr Dalhouski, stellvertretender Leiter der Geschichtswerkstatt »Leonid Lewin« Minsk, erläutert in einer virtuellen Exkursion zum Vernichtungsort Malyj Trostenez die weitläufige Erinnerungslandschaft am Rande von Minsk, der Hauptstadt von Belarus. Dort wurden vom Frühjahr 1942 bis Oktober 1943 mindestens 60.000 Menschen – Partisan*innen, Kriegsgefangene, Juden und Jüdinnen aus Belarus und anderen Teilen der Sowjetunion wie auch aus Deutschland, Österreich und Tschechien deportierte Juden und Jüdinnen – ermordet. Das Video gibt einen Überblick über die während der deutschen Besatzung an diesem Ort begangenen Verbrechen und die Entwicklung der Erinnerungskultur seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute.
Der Lern- und Gedenkort Jawne ist auf besondere Weise mit diesem Ort verbunden: Am 20. Juli 1942 wurden mehr als 1.100 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Köln und dem Rheinland nach Minsk deportiert, darunter viele Schüler:innen der Jawne, sowie Schulleiter Erich Klibansky und seine Familie. Sie alle wurden direkt nach der Ankunft in Malyj Trostenez ermordet.