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Der blaue Salon – Einblicke in eine deutsch-jüdische Familie in den 1930er Jahren und heute

Die Silberbachs waren eine deutsch-jüdische Großfamilie, weit verzweigt in Westfalen und im Rheinland. In seinem packenden Buch “Der Blaue Salon und andere Torheiten” lässt uns Vernon Katz, dessen Mutter eine geborene Silberbach war, eintauchen in das Leben der Familie in den frühen 1930er Jahren. Vernon verbrachte seine Kindheit in Schötmar bei Bad Salzuflen, war aber regelmäßig bei den Silberbachs in Köln zu Besuch. In seinem Buch gibt er anschauliche Einblicke in das Leben seiner Tante Grete und seines Onkels Paul, die mit ihren Töchtern Gisela und Ingelore in einer Villa im vornehmen Stadtteil Marienburg wohnten. Der Nazi-Terror riss die Familien auseinander: Vernon und seine Eltern flohen nach Großbritannien, die Silberbachs in die USA.

© Verlag für Regionalgeschichte

Als sich Terry Mandel, die Tochter von Ingelore Silberbach im Jahr 2022 auf den Weg macht, das Leben ihrer Mutter und ihrer deutschen Vorfahren zu erforschen, wird Vernons Buch zu einer wichtigen Informationsquelle. In ihrem spannenden Bildvortrag berichtet Terry Mandel von der Suche nach ihrer Familiengeschichte und ihren vielen unverhofften Entdeckungen. Unterstützt wird sie dabei von Rita von Schwartzenberg, die Terry bei ihren Recherchen begleitete. Dr. Vernon Katz, fast 97 Jahre alt, wird online teilnehmen und Fragen zu seinem Buch beantworten, aus dem während des Vortrages Teile gelesen werden.

Terry Mandel ist Unternehmensberaterin und hat kürzlich die gemeinnützige Organisation “The Unerasure Projekt” gegründet, um auch anderen die Möglichkeit zu geben, bisher verborgene Teile ihrer persönlichen und kollektiven Geschichte zu erforschen. Sie lebt in Berkeley, Kalifornien.

Dr. Vernon Katz, der an der Universität Oxford promoviert hat, ist einer der weltweit führenden Experten für indische Philosophie und der Übersetzer wichtiger Sanskrit-Texte, darunter die Upanishaden. Er lebt in Suffolk, England. Sein Buch “Der Blaue Salon und andere Torheiten – Eine jüdische Kindheit im ländlichen Deutschland der 1930er-Jahre” ist 2023 im Verlag für Regionalgeschichte erschienen.

Rita von Schwartzenberg arbeitet als Psychotherapeutin in Köln. Derzeit schreibt sie an einer Biografie der renommierten Schriftstellerin Ruth Prawer Jhabvala, deren Familie im April 1939 ebenfalls aus Köln nach Großbritannien floh.

Die Veranstaltung findet in englischer und deutscher Sprache statt. Der Eintritt ist frei.

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»1939 – Mit dem Kindertransport von Köln nach England: Ausgrenzung, Zwangsmigration, Rettung – und dann?«

Am Freitag, den 3. Mai 2024 möchten wir alle Interessierten herzlich zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung einladen. Diese wurde konzipiert und umgesetzt von der Geschichts- und Politikwerkstatt der Jahrgangsstufe 9 des Ursulinengymnasiums in Köln. Nachdem die Ausstellung Anfang des Jahres 2024 im Oberstufengebäude des Ursulinengymnasiums gezeigt wurde, freuen wir uns sie nun im Lern- und Gedenkort Jawne einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können.

Siehe auch: Sonderausstellungen

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Sonderausstellung

1939 – Mit dem Kindertransport von Köln nach England

Die Ausstellung erzählt die Geschichten einiger der etwa 130 geretteten Schülerinnen und Schüler der Jawne, des Schuldirektors Erich Klibansky und seiner Familie. Anhand ausgewählter Biografien von Schülerinnen und Schülern wird ein Stück Kölner Zeitgeschichte sichtbar gemacht.

Konzipiert und umgesetzt wurde die Ausstellung von der Geschichts- und Politikwerkstatt der Jahrgangsstufe 9 des Ursulinengymnasiums in Köln. Wir freuen uns, dass wir sie im Lern- und Gedenkort Jawne einem breiten Publikum zeigen können.

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»Ein Ghettohaus in Köln«

Ruine des jüdischen Gymnasiums Jawne
© Rheinisches Bildarchiv

Wir „wohnen“ in dem kleinen Zimmer, in dem letztes Jahr unser Kurs von 8-9 stattfand. Das kleine Stückchen dunkler Flur davor ist unsere Küche, Badezimmer usw. und in dem anschließenden Klassenzimmer links schlafen die Söhne… (Brief von Direktor Erich Klibansky an Bruno Kisch, 22. Oktober 1939)

Zu Beginn des Jahres 1939 rechnen Meta und Erich Klibansky fest damit, bald nach Großbritannien umsiedeln zu können. Ihre Wohnung geben sie auf und beziehen ein – wie sie annehmen – vorübergehendes Quartier in Schulräumen der Jawne. Ihre Hoffnungen zerschlagen sich mit der Deportation am 20. Juli 1942 nach Minsk.

Die zerstörte Synagoge der Gemeinde Adass Jeschurun
© Rheinisches Bildarchiv

Die Geschichte der Jawne und der angrenzenden Synagoge der Gemeinde Adass Jeschurun im Herzen der Stadt, ist eng verbunden mit der Rettung von jüdischen Kindern und Jugendlichen durch den Leiter der Schule Dr. Erich Klibansky. 1939 gelang es ihm, vier Kindertransporte zu organisieren, die annähernd 130 Schülerinnen und Schülern der Jawne ein Überleben in England boten.

Ab Mitte 1941 war ein geregeltes Schulleben kaum noch möglich, weil die Nationalsozialisten das Schulgebäude und die angrenzende Synagoge zu einer Zwangsunterkunft für Kölner Jüdinnen und Juden bestimmten. Nach dem Verbot jeglichen Unterrichts für jüdische Schüler:innen im Sommer 1942 füllten sich die Räume der Jawne mit Menschen, die von den Nationalsozialisten aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben wurden. Vor den Deportationen hatten sie sich in „Ghettohäusern“ einzufinden. Für Hunderte von Jüdinnen und Juden wurde das Schulgebäude der Jawne, wie auch die angrenzende Synagoge, vom Ort des Lebens zum Ort des Schreckens.

Birte Klarzyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin für jüdische Geschichte im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, referiert den aktuellen Forschungsstand zum Thema Zwangsunterbringung im Nationalsozialismus in Köln.

Petra Pluwatsch, Autorin des Buches Verfolgt und nicht vergessen – Geschichten hinter den Stolpersteinen und frühere Chefreporterin des Kölner Stadt-Anzeigers, stellt eine Biografie vor, die eng mit der Jawne als „Ghettohaus“ verbunden ist: die Geschichte der Mathilde Joseph.

Christiane Wende-Kreisel, hat das Schicksal von Mathilde Joseph zum Lern- und Gedenkort geführt – seitdem engagiert sie sich dort ehrenamtlich.

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Das aussergewöhnliche Leben der Dora Loeb – Vorstellung mit Ton und Bild im »Jawne-Salon«

Musikstudium in Köln, Gründungsmitglied des Palestine Orchestra in Tel Aviv, Musik-Lehrerin am jüdischen Gymnasium Jawne – das sind nur einige Stationen im Leben der Geigerin Dora Loeb (1905 – 1944).

In den zahlreichen Briefen, die sie bis zu ihrer Deportation (am 7. Dezember 1941 nach Riga) an ihre Familie geschrieben hat, werden Teile dieser außergewöhnlichen Biographie wieder lebendig, mit vielen Alltagsbeobachtungen und Details aus dem jüdischen Leben, im Schatten des Holocaust.

Dora Loeb
© Hans Stallmach

Im Rahmen einer szenischen Lesung berichtet der Journalist und Politologe Hans Stallmach aus dem ungewöhnlichen Leben der 1944 in Riga ermordeten Dora Loeb.

Eintritt frei – wir freuen uns über Ihr und Euer Interesse!

Der »Jawne-Salon« ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkort Jawne mit Judaica Cologne. Die Veranstaltungsreihe möchte der Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln mehr Raum und Sichtbarkeit geben sowie Möglichkeiten der Begegnung schaffen.

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Gedenkstunde am Löwenbrunnen

Am Freitag, den 26. Januar treffen sich Schüler:innen, Vertreter:innen der Synagogen-Gemeinde, der Kirchen und der Stadt Köln, sowie der Arbeitskreis des Lern- und Gedenkorts Jawne und alle interessierten Bürger:innen am Löwenbrunnen, um an die aus Köln deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen zu erinnern. 

Der Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz hält die Erinnerung an die über 1100 aus Köln deportierten und jüdischen Kinder und Jugendlichen wach, daher versammeln wir uns zum Gedenken an diesem Ort. Die Beiträge der Schüler:innen nehmen die Lebensgeschichten und Erinnerungen von Kindern in den Blick, die mit den Kindertransporten nach England oder auf anderen Wegen gerettet wurden. Antisemitismus damals und heute beschäftigt die Schülergruppen ebenfalls. Mitwirken werden unter anderem Schüler:innen des Ursulinengymnasium (Klasse 9) und der Werner-von-Siemens-Schule (Berufskolleg). 

Wir freuen uns, wenn viele Bürgerinnen und Bürger sich am Gedenken beteiligen und so ein Zeichen gegen Judenfeindschaft und für die bleibende Bedeutung des Erinnerns setzen.

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»Erinnerung an Shmuel Hatsor«

Shnuel Hatsor (früher Samuel Königshöfer), ca. 1938
© Lern- und Gedenkort Jawne

Vor 85 Jahren, am 17. Januar 1939, verließen etwa 30 Schüler des jüdischen Gymnasiums Jawne den Kölner Hauptbahnhof mit einem Zug in die Niederlande. Von dort ging es weiter nach England in den Londoner Stadtteil Cricklewood. Dort, in der Minster Road No.1, befand sich das erste von Direktor Klibansky organisierte “Jawne-Hostel”, das den Kölner Jugendlichen Schutz vor weiterer Ausgrenzung und Verfolgung durch die Nazis bot. Drei weitere Gruppen konnten im Laufe des Jahres 1939 folgen – über hundert Schülerinnen und Schüler der Jawne konnten Nazi-Deutschland auf diesem Weg entkommen.

Einer der Jungen, die Köln im Januar 1939 verließen, war Samuel Königshöfer (später Shmuel Hatsor), der in der Dasselstraße wohnte.

Am 85. Jahrestag dieses ersten Jawne-Kindertransports werden wir Teile des sehr persönlichen Video-Interviews zeigen, das wir 2012 in Israel mit Shmuel führen konnten. Darin berichtet er über den “Kindertransport” und die sozialistisch-zionistische Jugendbewegung “Habonim”, sowie seine Emigration nach Palästina und die Gründung des Kibbuz Kfar HaNassi im Norden Israels, in dem er sein ganzes Leben verbrachte. Am 26. August 2023, nur wenige Tage vor seinem 99. Geburtstag, starb er dort.

Zwischen den Video-Clips werden Fragmente aus Shmuels Briefen vorgestellt, die er aus England an seinen Bruder in Palästina schrieb. Diese gewähren bewegende Einblicke in die Realität des 15-jährigen Samuel, der nun, plötzlich getrennt von seiner geliebten Familie, sehr schnell erwachsen werden musste…

Nach der Präsentation besteht die Möglichkeit zum Austausch bei einem Getränk.

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»Jawne-Salon« mit Lara Morris

Der »Jawne-Salon« beginnt das Jahr 2024 musikalisch und lädt zum Konzert und Musikgespräch mit der israelischen Flötistin Lara Morris ein.

Auf dem Programm werden Werke aus der Zeit des 16.-18. Jahrhunderts stehen (Jonkheer Jacob van Eyck | G. Bassano Boismortier | Georg Philipp Telemann | Johann Sebastian Bach).

Mehr Informationen zu Lara Morris unter: https://www.laramorris.com/

© Lara Morris

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Ihren Besuch!

Der »Jawne-Salon« ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkort Jawne mit Judaica Cologne. Die Veranstaltungsreihe möchte der Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln mehr Raum und Sichtbarkeit geben sowie Möglichkeiten der Begegnung schaffen.

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Aktuelles

Enfant Caché

Eine Theaterinszenierung im öffentlichen Raum

(Täglich, 5. bis einschließlich 8. Dezember 2023 | Beginn: 15 Uhr 35, Schulhof Lindenstrasse 78; Ende: 17 Uhr 05, Yitzhak-Rabin Platz, Köln (Eintritt frei)

Die Performance erinnert an Adi Bader (1931-2023), der im Grundschulalter aus seiner Familie in der Engelbertstraße gerissen wurde und in Belgien die Besatzung und den Terror der Nazis überlebte – als “christliches” Kind in einer katholischen Familie, in zwei jüdischen Waisenhäusern, sowie unter falscher Identität in einem Kloster.

Nach einer kurzen Einführung startet die Performance im historischen Schulhof der jüdischen Volksschule Lützowstraße – heute Berufskolleg an der Lindenstraße. Der ehemalige Schulweg der Bader-Brüder führt die Teilnehmenden durch die Mozartstraße zum Yitzhak-Rabin Platz, unweit der ehemaligen Wohnung der Familie Bader.

Vom Schulgong bis zur einbrechenden Dunkelheit vergegenwärtigen die beiden Performer*innen Martina Kock und Taly Journo mit dem Publikum die Erinnerung an Adi Bader und andere gerettete Kinder aus Köln.

Info: https://www.theaterkunstkoeln.de/enfant-cache

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»Wir waren eine Gruppe von 54 Kindern«

In einer brutalen Massenabschiebung wurden am 28. und 29. Oktober 1938 Juden und Jüdinnen mit polnischem Familienhintergrund aus dem Deutschen Reich vertrieben. Diese „Deportation vor den Deportationen“ betraf auch jüdische Kölner und Kölnerinnen, die verhaftet, in Züge gepfercht und mit Gewalt über die polnische Grenze getrieben wurden – darunter auch Schülerinnen und Schüler des jüdischen Gymnasiums Jawne. In der Grenzstadt Zbąszyń entstand ein großes Flüchtlingslager. Eine polnisch-jüdische Hilfsorganisation rettete etwa 250 Kinder, die in drei „Kindertransporten“ über Gdynia mit einem Schiff nach London gelangten.

Die Historikerin Dr. Cordula Lissner beleuchtet Biographien jüdischer Kinder, die vor 85 Jahren aus Köln vertrieben wurden und von denen einige in England wieder mit ihren früheren Klassenkamerad*innen zusammengefunden haben.

Großbritannien: Kinder polnischer Juden aus dem Gebiet zwischen Deutschland und Polen bei Ihrer Ankunft mit der “Warschau” in London. Fotografie, Februar 1939 ©Bundesarchiv Bild 183-S69279