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Aktuelles

Pädagogin, Autorin, Zeitzeugin – Tamar Dreifuss seligen Angedenkens

Am 18. Oktober 2025 ist unsere langjährige Weggefährtin und Freundin Tamar Dreifuss in Köln gestorben. Am 5. März haben wir noch ihren 87. Geburtstag mit ihr feiern können.

Wir werden Tamar sehr vermissen – in unserer Arbeit und in unserem Alltag.

Tamar Dreifuss spricht im November 2009 am Löwenbrunnen mit Jugendlichen, während einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Novemberpogroms 1938
©
Lern- und Gedenkort Jawne

Fast 25 Jahre lang hat Tamar Dreifuss in zahllosen Schulstunden, Seminaren und Veranstaltungen Kinder, Jugendliche und Erwachsene über die Zeit des nationalsozialistischen Terrors in Europa aufgeklärt. Für jede Gruppe von Zuhörenden hat sie ganz eigene Worte gefunden, um die Geschichte ihrer Familie in der Shoah zu erzählen und vom Mut ihrer Mutter zu berichten, die ihre kleine Tochter vor der Verfolgung gerettet hat.

Die Autobiographie ihrer Mutter, die Tamar aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt hatte und aus der sie in ihren Veranstaltungen vorlas, erweiterte und vertiefte das, was ihre Zuhörer*innen von Tamar Dreifuss lernen konnten. 2009 erschien ihr eigenes Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944“. Mit diesem Buch erreichte sie auch jüngere Kinder, ohne sie zu überfordern. Viele Male durften wir im Lern- und Gedenkort Jawne und in Schulprojekten selbst mit erleben, wie beeindruckt und begeistert Schülerinnen und Schüler von Tamars Unterrichtsbesuchen und Projektstunden waren.

Am 5. März 1938 in Wilna geboren, überlebte Tamar Schapiro als kleines Kind eine Zeit im Versteck und im Ghetto Wilna. Ihrer Mutter gelang nach vergeblichen Fluchtversuchen aus einem Deportationszug mit ihrer Tochter an der Hand die Flucht aus einem Zwischenlager. Vater und Großeltern wurden Opfer der Shoah in Litauen.

Mit ihrer Mutter Jetta Schapiro-Rosenzweig und dem Stiefvater konnte Tamar 1948 nach Israel auswandern, wo sie erwachsen wurde und eine pädagogische Ausbildung abschloss. 1959 heiratete sie in Tel Aviv Harry Dreifuss und ging mit ihm nach Köln. 40 Jahre lang war sie als Erzieherin und Religionslehrerin in der Synagogen-Gemeinde tätig. 2001 begann sie ihre Arbeit als Zeitzeugin.

Tamars Cousin, der Künstler Samuel Bak, wie sie ein Überlebender der Shoah aus Wilna, hat für ihre pädagogische Kompetenz einfühlsame Worte gefunden:

„Tamar geht an Schulen, konfrontiert lebhafte Kinder verschiedenen Alters. Und sie hängen an ihren Lippen. (…) In die Seele dieser Menschen hat sie das Wissen gepflanzt, was Rassismus bedeutet, was Intoleranz verursachen kann, und was Menschen fähig sind, einander anzutun. Wir müssen hoffen, dass dieses Wissen sie davor bewahren wird, die Fehler der Menschheit zu wiederholen.“

Tamar wird uns sehr fehlen. Aber die Erinnerung an sie und an das, was sie vermittelt hat, wird viele Menschen ihr Leben lang begleiten.

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Gedenkstunde am Löwenbrunnen

Der Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz
© M. Paret

Im Rahmen der Gedenkstunde werden Schüler:innen von Kölner Schulen an die Lebensgeschichten einiger Schülerinnen und Schüler der Jawne erinnern. Neben den Schulen sind auch Mitglieder und Vertreter:innen der Synagogengemeinde eingeladen sowie Vertreter:innen der Stadt Köln – ebenso alle engagierten und interessierten Bürger:innen, die ein Zeichen für das Erinnern und gegen Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit setzen möchten.

Die Gedenkstunde findet am Löwenbrunnen statt. Der Brunnen erinnert mit den Namen auf dem Brunnenrand an die über 1.100 jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

Wir freuen uns über zahlreiche Teilnehmende.

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»Geh nicht raus!« | Wiederaufführung der Performance mit Rita Frind

Performance »Geh nicht raus!«
© Juliane Rückriem

Im Rahmen ihrer Ausstellung »Als wäre nichts gewesen« zeigt der Lern- und Gedenkort Jawne die Performance »Geh nicht raus!« von Rita Frind.

Im Anschluss laden wir ein zu einem Gespräch mit der Künstlerin. Moderation: Werner Fleischer

Die Künstlerin Rita Frind setzt sich in eindrücklicher Weise mit der Fluchtgeschichte ihrer Mutter und ihrer Großeltern und deren Rückkehr in die postnazistische Gesellschaft Kölns auseinander. Mit großformatigen Fotomontagen, grafischen Recherche-Tafeln, 121 Monatsblättern mit Tagesstempeln, zugehöriger Toninstallation und Performance wird die Zeit der existentiellen Ausnahmesituation sinnlich erfahrbar.

Sie erinnert mit dieser Ausstellung an ihre jüdischen Vorfahren, die Kölner Familien Lewkowicz und Slodzina. Bevor die Nazis 1933 die Macht bekamen, lebten die Vorfahren mütterlicherseits als Großfamilie mit drei Generationen in Köln. Durch die nazistische Verfolgung wurden zahlreiche Familienmitglieder deportiert und ermordet. Die Überlebenden der Familie, denen die Flucht gelungen war, wurden in alle Welt verstreut.

© Juliane Rückriem

Den Großeltern und der Mutter gelang 1939 die Flucht nach Belgien. Kurz vor dem deutschen Überfall auf Belgien 1940 floh die Familie weiter nach Toulouse, Südfrankreich. Im Januar 1947 kamen sie zu dritt zurück nach Köln.

Im Gespräch mit Rita Frind fragen wir nach den Wegen, Mitteln und Erfahrungen der Spurensuche. Wir fragen nach den inneren Gefühlserbschaften und deren Folgen, die sich für das Kind von Überlebenden der Schoa stellen. Thematisiert werden, soll die Bedeutung der künstlerischen Werke für die Verarbeitung der Geschichte der Verfolgung und auch inwiefern diese Auseinandersetzung die Arbeit des Lern- und Gedenkortes Jawne betrifft.

Die Besucher:innen sind herzlich dazu eingeladen, sich mit ihren Fragen und Beiträgen an dem Gespräch mit der Künstlerin zu beteiligen.

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Lesestunde | »Wildwuchs: Erzählungen aus Wolhynien« (Chaim Nachman Bialik)

© C.H.Beck Verlag

Das dörfliche Leben der jüdischen Holzhändlerfamilie ist für die Kinder ein festgefügter Kosmos, doch für die Obrigkeit illegal, und so bahnt sich langsam die Katastrophe an … Zwei Nachbarskinder, Noah und Marinka, können sich jahrelang nur durch Löcher im Zaun verständigen. Am Ende siegt die Liebe über den Hass der Eltern, aber nur scheinbar … Ein Junge entzieht sich durch Nichtstun dem strengen Vater und erträumt sich eine ganz eigene Welt: das gelobte Land daheim.

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Wir setzen darauf, dass auch viele sich selbst ein Buch vornehmen, um ihre Gedanken und Eindrücke dazu mit anderen zu teilen. Den aktuellen Flyer finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

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Jawne-Salon | Ruth und Ludwig und die Kunst: Begegnungen in Köln und London

Ruth Prawer Jhabvala (1927 – 2013) trifft den Maler Ludwig Meidner (1884 – 1966) an der Kölner Jawne, wo er ihr Kunstlehrer ist. Im Londoner Exil sehen sie sich wieder, und Ludwig zeichnet mehrere Porträts von ihr. Ruth, die später eine international bekannte Schriftstellerin wird, ließ sich von den besonderen Begegnungen mit dem Künstler zu ihrer Kurzgeschichte „Refuge in London“ (2004) inspirieren.

Rita von Schwartzenberg, die Biografin Ruth Prawer Jhabvalas, gibt Einblicke in das Leben dieser herausragenden Autorin, die sowohl mit dem Booker-Preis als auch mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde. Ruths Tochter Ava Jhabvala Wood liest aus der Kurzgeschichte ihrer Mutter im englischen Original, die Schauspielerin Lisa Schell aus Berlin trägt die deutsche Übersetzung vor.

Ruth Prawer 1936 in Köln
Foto: Familienalbum

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V. statt.

Der Jawne-Salon ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkort Jawne und Judaica Cologne. Wir möchten der Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln mehr Raum und Sichtbarkeit geben sowie Möglichkeiten der Begegnung schaffen.

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Lesestunde | Bücher zum 7. Oktober 2023

© Suhrkamp Verlag / Jüdischer Verlag

In der Lesestunde im Monat Oktober werden wir uns mit zwei Büchern beschäftigen, die von den Schrecken des 7. Oktober 2023 berichten – der Tag an dem die Hamas Israel überfiel, etwa 1200 Menschen tötete und 251 Geiseln nahm.

Die Tore von Gaza (Amir Tibon) – Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung. Der 7. Oktober 2023 – geschildert von einem Überlebenden des Kibbuz Nahal Oz.

Israel, 7. Oktober: Protokoll eines Anschlags (Lee Yaron) – Eindringlich und bewegend erzählt die israelische Journalistin Lee Yaron von den letzten Stunden der Menschen, die am 7. Oktober 2023 von den Hamas-Terroristen ermordet wurden.

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

© S. Fischer Verlag

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Wir setzen darauf, dass auch viele sich selbst ein Buch vornehmen, um ihre Gedanken und Eindrücke dazu mit anderen zu teilen. Den aktuellen Flyer finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

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Lesestunde | »Eine ganze Welt« (Goldie Goldblum)

© Hoffmann und Campe Verlag

Eine Frau am Wendepunkt. Ein Geheimnis, das sie von allen trennt, die ihr wichtig sind. Und die Möglichkeit mit viel Verständnis füreinander Brücken zu schlagen. Surie Eckstein erfüllt ihr Leben als Oberhaupt einer Großfamilie. Sie erwartet gerade ihr erstes Urenkelkind, als eine Katastrophe eintritt – oder ist es ein Gottesgeschenk? Mit 57 Jahren ist sie noch einmal schwanger – mit Zwillingen!

Die Lesestunde in der Jawne ist ein gemeinsames Veranstaltungsformat, organisiert von „Chaverim – Freundeskreis zur Unterstützung des liberalen Judentums in Köln“ und der „GERMANIA JUDAICA – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.“

Jede und jeder ist eingeladen die oder der Freude daran hat sich aktiv mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Wir setzen darauf, dass auch viele sich selbst ein Buch vornehmen, um ihre Gedanken und Eindrücke dazu mit anderen zu teilen. Den aktuellen Flyer finden Sie hier.

Die Teilnahme an den Lesestunden ist kostenlos (Spenden sind willkommen). Wir bitten um Anmeldung per Mail unter: lesestunde_jawne@email.de

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Jawne-Salon | »Spur und Abweg« – Lesung und Rap-Performance mit Kurt Tallert

Eine deutsch-jüdische Familie, ein Vater der überlebte und die Spuren einer verlorenen Identität. Wie ist es, als Sohn eines Holocaust-Überlebenden zwischen Enkeln und Tätern aufzuwachsen und heute zu leben?

Kurt Tallert erzählt in seinem literarischen Debüt die Geschichte seines Vaters und seine eigene, in dem die Scherben eines Lebens zu einem Spiegelbild der Gesellschaft werden. 

Kurt Tallert wurde 1986 in Bad Honnef geboren und studierte Germanistik und Hispanistik in Aachen und Santiago de Chile. Unter dem Künstlernamen „Retrogott“ prägt er als Rapper, DJ und Produzent seit mehr als zwanzig Jahren die deutsche Hip-Hop-Szene und veröffentlichte zahlreiche Alben.

© Kurt Tallert

Der »Jawne-Salon« ist ein Kooperationsprojekt des Lern- und Gedenkort Jawne mit Judaica Cologne. Die Veranstaltungsreihe möchte der Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln mehr Raum und Sichtbarkeit geben sowie Möglichkeiten der Begegnung schaffen.

Eintritt frei.

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»Als wäre nichts gewesen«

»Als wäre nichts gewesen«
Foto: Jörn Neumann

Der Lern- und Gedenkort Jawne lädt herzlich ein
zur Eröffnung der Ausstellung
»Als wäre nichts gewesen« | Rita Frind – Werke

Nähere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Begrüßung: Dr. Ursula Reuter (Vorsitzende Förderverein Lern- und Gedenkort Jawne), Susanne Imhoff (Imhoff-Stiftung)

Einführung: Werner Fleischer
(Kurator der Ausstellung)

12 Uhr – Performance »Geh nicht raus!«
(Rita Frind)

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

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Finissage der Sonderausstellung »Der Trost von Freundinnen und Freunden«

Am Sonntag, den 3. August 2025 laden wir von 14 bis 18 Uhr herzlich ein zur Finissage der Sonderausstellung »Der Trost von Freundinnen und Freunden – Kindertransporte aus Köln 1939 und die Jawne-Hostels in England«. Es erwarten Sie und Euch Ausstellungsführungen mit der Kuratorin Cordula Lissner bzw. Kurzvorträge von und mit besonderen Gästen, kühle Getränke und die Gelegenheit zum Austausch. Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Programm:

15 Uhr | Jawne-Schülerinnen und -schüler aus dem Ruhrgebiet. Mit Martina Strehlen, stellvertretende Leiterin der Alten Synagoge Essen.

16 Uhr | Köln-Liverpool-Australien-Palästina/Israel – Der Jawne-Schüler Alfred (Uri) Weinberg aus Erkelenz. Mit Hubert Rütten, Mitarbeiter des LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen und Experte für Erinnerungskultur in Erkelenz.

17 Uhr | Lebenslange Freundschaften – Die Jawne-Schülerinnen aus dem Hostel in Manchester. Mit Wolfgang Richter, Lern- und Gedenkort Jawne.

Schüler der Jawne vor dem Hostel in der Linnet Lane 19 in Liverpool.
© Lern- und Gedenkort Jawne / Siggy Reichenstein