
© Rita Frind, 2025
Die 1956 in Köln geborene Künstlerin Rita Frind setzt sich in eindrücklicher Weise mit der Fluchtgeschichte ihrer Mutter und ihrer Großeltern und deren Rückkehr in die postnazistische Gesellschaft Kölns auseinander.
Mit großformatigen Fotomontagen, Recherche-Tafeln, 121 mit Tagesstempeln bedruckten Monatsblättern und zugehöriger Toninstallation sowie der Performance »Geh nicht raus!« wird die Zeit der existentiellen Ausnahmesituation sinnlich erfahrbar.
Die Künstlerin erinnert mit dieser Ausstellung an ihre jüdischen Vorfahren, die Kölner Familien Lewkowicz und Slodzina. Bevor die Nazis 1933 die Macht bekamen, lebten die Vorfahren mütterlicherseits als Großfamilie mit drei Generationen in Köln. Durch die nazistische Verfolgung wurden zahlreiche Familienmitglieder deportiert und ermordet. Die Überlebenden der Familie, denen die Flucht gelungen war, wurden in alle Welt zerstreut.
Den Großeltern und der damals sieben Jahre alten Mutter gelang 1939 die Flucht nach Belgien. 1940, kurz nach dem Überfall der Deutschen auf Belgien flüchtete die Familie weiter nach Toulouse, Südfrankreich. Im Januar 1947 kamen sie zu dritt zurück nach Köln.
Für Rita Frind führt die äußere Spurensuche dazu, ihre inneren Gefühlserbschaften zu ergründen und eigene Wege des Ausdrucks zu finden.

Foto: Jörn Neumann