Aktuelles

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Pädagogin, Autorin, Zeitzeugin – Tamar Dreifuss seligen Angedenkens

Am 18. Oktober 2025 ist unsere langjährige Weggefährtin und Freundin Tamar Dreifuss in Köln gestorben. Am 5. März haben wir noch ihren 87. Geburtstag mit ihr feiern können.

Wir werden Tamar sehr vermissen – in unserer Arbeit und in unserem Alltag.

Tamar Dreifuss spricht im November 2009 am Löwenbrunnen mit Jugendlichen, während einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Novemberpogroms 1938
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Lern- und Gedenkort Jawne

Fast 25 Jahre lang hat Tamar Dreifuss in zahllosen Schulstunden, Seminaren und Veranstaltungen Kinder, Jugendliche und Erwachsene über die Zeit des nationalsozialistischen Terrors in Europa aufgeklärt. Für jede Gruppe von Zuhörenden hat sie ganz eigene Worte gefunden, um die Geschichte ihrer Familie in der Shoah zu erzählen und vom Mut ihrer Mutter zu berichten, die ihre kleine Tochter vor der Verfolgung gerettet hat.

Die Autobiographie ihrer Mutter, die Tamar aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt hatte und aus der sie in ihren Veranstaltungen vorlas, erweiterte und vertiefte das, was ihre Zuhörer*innen von Tamar Dreifuss lernen konnten. 2009 erschien ihr eigenes Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944“. Mit diesem Buch erreichte sie auch jüngere Kinder, ohne sie zu überfordern. Viele Male durften wir im Lern- und Gedenkort Jawne und in Schulprojekten selbst mit erleben, wie beeindruckt und begeistert Schülerinnen und Schüler von Tamars Unterrichtsbesuchen und Projektstunden waren.

Am 5. März 1938 in Wilna geboren, überlebte Tamar Schapiro als kleines Kind eine Zeit im Versteck und im Ghetto Wilna. Ihrer Mutter gelang nach vergeblichen Fluchtversuchen aus einem Deportationszug mit ihrer Tochter an der Hand die Flucht aus einem Zwischenlager. Vater und Großeltern wurden Opfer der Shoah in Litauen.

Mit ihrer Mutter Jetta Schapiro-Rosenzweig und dem Stiefvater konnte Tamar 1948 nach Israel auswandern, wo sie erwachsen wurde und eine pädagogische Ausbildung abschloss. 1959 heiratete sie in Tel Aviv Harry Dreifuss und ging mit ihm nach Köln. 40 Jahre lang war sie als Erzieherin und Religionslehrerin in der Synagogen-Gemeinde tätig. 2001 begann sie ihre Arbeit als Zeitzeugin.

Tamars Cousin, der Künstler Samuel Bak, wie sie ein Überlebender der Shoah aus Wilna, hat für ihre pädagogische Kompetenz einfühlsame Worte gefunden:

„Tamar geht an Schulen, konfrontiert lebhafte Kinder verschiedenen Alters. Und sie hängen an ihren Lippen. (…) In die Seele dieser Menschen hat sie das Wissen gepflanzt, was Rassismus bedeutet, was Intoleranz verursachen kann, und was Menschen fähig sind, einander anzutun. Wir müssen hoffen, dass dieses Wissen sie davor bewahren wird, die Fehler der Menschheit zu wiederholen.“

Tamar wird uns sehr fehlen. Aber die Erinnerung an sie und an das, was sie vermittelt hat, wird viele Menschen ihr Leben lang begleiten.

Mittwoch, 23. April 2025

Pressemitteilung zur neuen Online-Ausstellung »Gerettet – auf Zeit«

Eine neue viersprachige Online-Ausstellung des Lern- und Gedenkorts Jawne würdigt die bis heute weitgehend unbekannten Kindertransporte, mit denen 1.000 jüdische Kinder aus dem Deutschen Reich nach Belgien gerettet wurden.

Sonntag, 23. Februar 2025

Stellenausschreibung des Lern- und Gedenkorts Jawne

Für das Projekt „Schul- und Alltagsgeschichte(n) im Spannungsfeld von Freiräumen und Verfolgung – Bildungsbausteine für die Vermittlungsarbeit vor Ort“ suchen wir eine:n pädagogische:n Mitarbeiter:in.

Unsere Stellenausschreibung finden Sie hier:

Dienstag, 25. Juni 2024

Wir trauern um Lore Robinson

Am 23. Juni 2024 ist im Alter von 100 Jahren unsere liebe Zeitzeugin und Freundin Lore Robinson gestorben.
Wir sind unendlich dankbar, dass wir sie 2009 kennenlernen durften. Ihr Besuch im Lern- und Gedenkort Jawne in Köln war der Beginn einer langen Reihe von eindrucksvollen Begegnungen in Köln und in London. Durch Lore haben wir ein Kapitel der Jawne-Geschichte aus der Perspektive einer klugen und selbstbewussten Schülerin kennengelernt. Erzählt hat sie uns auch viel über die Erfahrung des „Kindertransports“ 1939 nach England, das Heranwachsen ohne die Eltern und die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte nach 1945.
Wie gut, dass unsere aktuelle Ausstellung auch an Lore erinnert. Das Plakat zur Ausstellung zeigt sie als Kind vor ihrem Elternhaus am Salierring, wie sie an einem recht gefährlichen Zaun heraufklettert. So mutig wie auf dem Foto war sie auch noch in ihren 80ern und selbst mit 100 strahlte sie noch Gelassenheit und Heiterkeit aus.

Wir trauern mit der Familie.
Goodbye Lore, we will never forget you.

Lore Robinson, geb. Michel | 29. Januar 1924 – 23. Juni 2024
© Axel Joerss

Dienstag, 21. Mai 2024

Besuch aus den USA

Am Sonntag den 19. Mai 2024 besuchte Lisa Aronson aus Ojai (Kalifornien, USA) den Lern- und Gedenkort Jawne. Lisa ist die Tochter der ehemaligen Jawne-Schülerin Hanneliese Fürst, die im Februar des Jahres 1939 mit einem von Direktor Erich Klibansky organisierten Kindertransport nach Großbritannien ausreisen und so vor weiterer Verfolgung durch die Nazis gerettet werden konnte.

Kinderpsychologin Dr. Lisa Aronson zu Besuch im Lern- und Gedenkort Jawne, mit einem Bild von Direktor Erich Klibansky, der ihre Mutter – die Jawne-Schülerin Hanneliese Fürst – im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England geschickt und so vor der Deportation durch die Nazis gerettet hat.
© Andrea Döhrer

Die Familie Fürst wohnte im Mauritiussteinweg 81, in der Kölner Innenstadt und betrieb dort eine Fabrik für Hüte, Masken und Karnevalszubehör. Während der Pogromnacht im November 1938 wurde das Innere der Fabrik in großen Teilen zerstört, später wurde sie von den Nazis “beschlagnahmt”. Durch großes Glück gelang es Hannelieses Eltern, Herta und Erich Fürst, Arbeitsplätze als Hausangestellte in Schottland zu bekommen und im August 1939 ausreisen zu können. Ihr Sohn Helmut Max wurde bereits 1937 an einer Kunstschule in London angenommen, der zweite Sohn, Hans Hermann, gelangte mit einem Kindertransport zunächst nach Belgien und schließlich nach England. Am 16. Mai 1940 konnte die nun in Großbritannien wieder vereinte Familie Fürst gemeinsam in Liverpool einschiffen und in die USA emigrieren. Andere Teile der Familie starben in verschiedenen Ghettos und Konzentrationslagern.

In den USA hieß die ehemalige Jawne-Schülerin Hanneliese nun Jan (Janet). sie arbeitete unter anderem als Sekretärin für den bekannten Cartoonisten Bill Mauldin und bekam drei Töchter.

Auf den Spuren ihrer Mutter und ihrer Familie besuchte Lisa Aronson in Köln dass Archiv des NS-Dokumentationszentrums, den Lern- und Gedenkort Jawne und den Mauritiuswall 81. Bis auf die Stolpersteine für ihre ermordete Großtante Irma und ihren Mann Ernst Schönholz erinnert dort nichts mehr an die Familie Fürst und ihre Fabrik. Im kommenden Jahr 2025 sollen weitere Steine für die Familie an diesem Ort verlegt werden und Lisa plant bereits mit Angehörigen der Familie dabei sein zu können.

Wir freuen uns schon darauf Dich wieder begrüßen zu dürfen, Lisa!

Dienstag, 05. Dezember 2023

Enfant Caché

Eine Theaterinszenierung im öffentlichen Raum

(Täglich, 5. bis einschließlich 8. Dezember 2023 | Beginn: 15 Uhr 35, Schulhof Lindenstrasse 78; Ende: 17 Uhr 05, Yitzhak-Rabin Platz, Köln (Eintritt frei)

Die Performance erinnert an Adi Bader (1931-2023), der im Grundschulalter aus seiner Familie in der Engelbertstraße gerissen wurde und in Belgien die Besatzung und den Terror der Nazis überlebte – als “christliches” Kind in einer katholischen Familie, in zwei jüdischen Waisenhäusern, sowie unter falscher Identität in einem Kloster.

Nach einer kurzen Einführung startet die Performance im historischen Schulhof der jüdischen Volksschule Lützowstraße – heute Berufskolleg an der Lindenstraße. Der ehemalige Schulweg der Bader-Brüder führt die Teilnehmenden durch die Mozartstraße zum Yitzhak-Rabin Platz, unweit der ehemaligen Wohnung der Familie Bader.

Vom Schulgong bis zur einbrechenden Dunkelheit vergegenwärtigen die beiden Performer*innen Martina Kock und Taly Journo mit dem Publikum die Erinnerung an Adi Bader und andere gerettete Kinder aus Köln.

Info: https://www.theaterkunstkoeln.de/enfant-cache

Montag, 16. Oktober 2023

Veranstaltungsreihe zum 85. Jahrestag der sogenannten “Polenaktion”

Dienstag, 14. Dezember 2021

Giesberts-Lewin-Preis

Giesberts-Lewin-Preis, Skulptur von Ansgar Nierhoff (Foto: Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit)

Am 22. November 2021 wurden die Zeitzeugin und Shoah-Überlebende Tamar Dreifuss sowie der Lern- und Gedenkort Jawne mit dem Giesberts-Lewin-Preis ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit herausragendes ehrenamtliches Engagement im Einsatz gegen rassistische und antisemitische Tendenzen in der Gesellschaft und für Toleranz und Völkerverständigung in Politik, Gesellschaft und Kultur.
 
Die Preisverleihung fand in den Räumen des Käthe Kollwitz Museums statt.
Unter nachstehendem Link lässt sich die Videoaufzeichnung der Veranstaltung anschauen.

Montag, 30. August 2021

3 Fragen, 3 Antworten

Logo Kölnische Gesellschaft

Für das neue, digitale Interviewformat 3 Fragen, 3 Antworten der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hat Ännecke Winckel drei Fragen von Marike Flömer zum Lern- und Gedenkort Jawne beantwortet.

Freitag, 09. April 2021

Ausstellung »Gerettet – auf Zeit« Kindertransporte nach Belgien 1938 / 1939 bis zum 1. August 2021 im Kulturkino Vogelsang IP

Blick in die Ausstellung »Gerettet – auf Zeit«. Teil der Ausstellung ist eine skulpturale Installation des Künstlers Ludwig Dunkel. (Foto: Lern- und Gedenkort Jawne)

Die Ausstellung des Lern- und Gedenkorts Jawne in Kooperation mit Anne Prior wird vom 1. April bis zum 1. August 2021 im Kulturkino Vogelsang IP gezeigt. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch auf der Website von Vogelsang IP, ob und unter welchen Auflagen die Ausstellung aufgrund der Pandemie-Lage geöffnet ist.

Das Video der digitalen Eröffnungsveranstaltung, u.a. mit Grußworten ehemals versteckter Kinder und ihrer Nachfahren, lässt sich unter nachstehendem Link anschauen:

Transkripte bzw. Übersetzungen der Grußworte, die in französischer und englischer Sprache gehalten wurden, finden Sie im PDF auf der Homepage des Vogelsang IP.

Aus dem gesamten Deutschen Reich können 1938 und 1939 etwa tausend jüdische Kinder der Ausgrenzung und Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland entkommen: In 17 Kindertransporten werden sie nach Belgien in Sicherheit gebracht – eine nur vorläufige Sicherheit, wie sich spätestens nach der deutschen Besetzung Belgiens im Mai 1940 herausstellt. Ermöglicht werden die Kindertransporte durch das außergewöhnliche Engagement von Organisationen und Individuen in Belgien und im Deutschen Reich.

Die Ausstellung stellt nahezu unbekannte Rettungsgeschichten und die außergewöhnlichen Lebenswege der geretteten Jungen und Mädchen vor. Nicht zuletzt thematisiert sie die große Hilfsbereitschaft der belgischen Bevölkerung, der viele Kinder ihr Leben verdanken.

Wenn Sie Fragen haben oder den Ausstellungskatalog bestellen möchten, können Sie   unter info@jawne.de gerne eine Mail schicken.