Home  ·  Aktuelles  ·  Sonderausstellungen

Sonderausstellungen



Meta und Erich Klibansky
Zwischen selbstbewusstem Judentum
und Moderne


Ausstellungseröffnung:
Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19.00 Uhr


Als Ergänzung zur Ausstellung »Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung« stellt der Lern- und Gedenkort Jawne in seinen Galerieräumen das Leben und die Arbeit von Erich und Meta Klibansky vor. In dieser Ausstellung sind auch zahlreiche bislang nicht gezeigte Bilder und Dokumente zu sehen.

Dr. Erich Klibansky, Direktor des einzigen jüdischen Gymnasiums im Rheinland, rettete von Januar bis Juli 1939 mehr als 130 Kinder mit Kindertransporten nach Großbritannien. Der Beginn des Krieges zerschlug seinen Plan, die gesamte Schule nach Großbritannien zu verlegen. Meta Klibansky, geborene David, war vor ihrer Heirat Lehrerin an der Israelitischen Töchterschule in Hamburg. In der Jawne unterrichtete sie Englisch. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Hans Raffael, Alexander und Michael.

Meta und Erich Klibansky repräsentieren diejenigen jüdischen Deutschen, die bewusst orthodox, »thoratreu«, lebten und zugleich politisch und intellektuell Teil der modernen deutschen Gesellschaft waren. Zusammen mit mehr als 1.000 jüdischen Menschen aus Köln und dem Umland wurde die Familie am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert. Sie alle wurden sofort nach der Ankunft ermordet.

26. Oktober 2017 bis 30. April 2018



Details zu den Veranstaltungen des Begleitprogramms:

Ausstellungseröffnung:
Vernichtungsort Malyj Trostenez
Geschichte und Erinnerung

Mittwoch, 18. Oktober 2017, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln


Podiumsdiskussion:
»Vergessen kann man‘s nicht und verstehen kann man‘s auch nicht«

Kurt Marx wurde 1925 in Köln als einziges Kind von Siegmund und Irma Marx geboren. Obwohl seine Eltern sich um eine gemeinsame Emigration in die USA bemühten, unterstützten sie zunächst die Ausreise ihres Sohnes nach England. 1939 kam er mit einem von Dr. Erich Klibansky, dem Direktor der Jawne, organisierten Kindertransport nach London. Die Eltern von Kurt Marx konnten sich nicht retten. Sie wurden im Juli 1942 nach Malyj Trostenez deportiert und dort ermordet.

Moderation: Larissa Schmitz

Mittwoch, 8. November 2017, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln



Stadtführung:
Der Vernichtungsort Malyj Trostenez
Eine Stolpersteinführung
Mit Dr. Katja Lambert

Die internationale Sonderausstellung Malyj Trostenez erinnert anhand einzelner Schicksale an die Geschichte des Vernichtungslagers und die Ermordung der meist jüdischen Opfer. In einer zweistündigen Führung durch Köln wird von Stolperstein zu Stolperstein der Schicksale der über 1.000 Kölnerinnen und Kölner gedacht, die von Köln nach Belarus deportiert und ermordet wurden. Sowohl in der Ausstellung als auch in der Führung spielt die Kölner Jawne eine besondere Rolle. Deren Direktor Dr. Erich Klibansky wurde mit seiner Familie und seinen Schülerinnen und Schülern in das Vernichtungslager deportiert und ermordet.
 
Sonntag, 19. November 2017, 14.00 Uhr
Treffpunkt: NS-Dokumentationszentrum

Kosten: 8 Euro
Anmeldung bis zum 15.11.2017 unter www.museenkoeln.de


Vortrag:
Zur Geschichte der Wahrnehmung
von Malyj Trostenez
Mit Dr. Aliaksandr Dalhouski

Der Vortrag thematisiert die Probleme der Historisierung sowie Besonderheiten der sowjetischen Wahrnehmung und Gestaltung von Gedenkstätten an den Orten der Massenvernichtung bei Malyj Trostenez. Auch geht es um gegenwärtige Tendenzen zur Transformation des sowjetischen Gedenkortes in einen gesamteuropäischen Erinnerungsort.

Dienstag, 28. November 2017, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln



Film:
Die vergessenen Kinder von Köln
Deportation Köln – Minsk/Malyj Trostenez

Dokumentarfilm von Jürgen Naumann, D 2006, 60 Min.
Anschließendes Podiumsgespräch mit Paul Kohl

Jürgen Naumann folgt den Spuren von über dreihundert jüdischen Kindern und Jugendlichen, die im Juli 1942 von Köln aus deportiert wurden. Viele von ihnen hatten in der Jawne, dem einzigen jüdischen Gymnasium im Rheinland, Zuflucht gefunden. Ehemalige Schülerinnen und Schüler der Jawne, die auf Kindertransporten nach Großbritannien durch den Direktor der Schule Dr. Erich Klibanksy gerettet werden konnten, berichten über das Schicksal von Schulkameraden und Familienangehörigen.

Donnerstag, 7. Dezember 2017, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln




Die Brauns und die Grünebaums

Eine Ausstellung zur Geschichte der Städtischen Israelitischen Volksschule zu Köln

Die Ausstellung »Die Brauns und die Grünebaums« erinnert an die Geschichte der Städtischen Israelitischen Volksschule zu Köln in der Lützowstraße. Inspiriert wurde sie durch die Lebensgeschichten von Walter Braun und Heinz Grünebaum, die Mitte der 1920er Jahre in Köln geboren wurden und seit frühester Kindheit befreundet sind. Beide besuchten vier Jahre lang die Schule Lützowstraße, wo ihre beiden Väter, Dr. Siegfried Braun und Leopold Grünebaum, als Lehrer arbeiteten.

Die Ausstellung geht auf ein Projektseminar des Historischen Seminars und des Instituts für Jüdische Studien der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im WS 2007/08 zurück.

Zur Ausstellung, die bis zum 15. Oktober 2017 zu sehen ist, gibt es im September und Oktober mehrere Begleitveranstaltungen.





Details zu den Veranstaltungen:


Neue Wege des Gedenkens und Erinnerns – neue Ansätze zur Demokratieerziehung

Die Gedenkstättenpädagogik steht Anfang des 21. Jahrhunderts vor neuen Herausforderungen: die zunehmende zeitliche Distanz zum historischen Ereignis und ein multi-ethnisches Publikum, neue Medien und Konzepte, die Auseinandersetzung mit aktuellen Formen von Rechtsextremismus und Demokratiefeindschaft.

In dieser Veranstaltung geht es darum, wie Gedenkstättenpädagogik heute und in Zukunft gestaltet werden soll und wie das Erinnern an die NS-Zeit mit einer erlebnisorientierten Demokratieerziehung zusammenpasst.

Die Hamburger Künstlerin und Filmemacherin Stefanie Ritter stellt ihren Film »Lebendig weitertragen« über die Arbeit der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule Hamburg vor. Wie kann das Erinnern an den Nationalsozialismus und die Shoah weitergetragen werden, wenn die zeitliche Distanz zu den Ereignissen mehrere Generationen beträgt und die unmittelbare Begegnung mit ZeitzeugInnen kaum mehr möglich ist?

Im Juli 2017 stimmte der Rat der Stadt Köln der Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus zu einem »Haus für Erinnern und Demokratie« zu. Barbara Kirschbaum, Museumspädagogin im NS-Dokumentationszentrum, stellt das pädagogische Konzept für das neue »Erlebnismuseum« vor. Ist die Verzahnung des Erinnerns an die NS-Zeit mit einem auf eigenes Erleben und aktuelle Erfahrung ausgerichteten Ansatz eine wirksame Strategie zur Demokratieförderung und gegen Rechtsextremismus?

Referentinnen: Stefanie Ritter, Künstlerin und Filmemacherin, Hamburg; Barbara Kirschbaum, Museumspädagogin im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.

Donnerstag, 31. August 2017, 20.00 Uhr
Lern-und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26, 50667 Köln


»Ich bin ein kölsch Mädchen« –
Gespräch mit Henny Franks, Schülerin der jüdischen Volksschule Lützowstraße

Henny Franks hatte 1939 das große Glück, zu den Kindern zu gehören, die mit einem Kindertransport nach England ausreisen konnten. Der Schulleiter des jüdischen Gymnasiums Jawne, Dr. Erich Klibansky, organisierte diese Rettungsaktion in Köln – 130 Kinder konnten durch ihn gerettet werden.

Henny Franks wurde 1923 in Köln geboren, heute lebt die 94jährige in London. Und sie kommt uns wieder besuchen, so dass wir Gelegenheit haben, ihre Geschichte zu hören und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ferner stellen wir Materialien – Video- und Textdokumente – über Henny Franks für die Arbeit mit Schüler_innen vor, die bei ihrem letzten Besuch 2016 entstanden.

Dieses Seminar findet in Kooperation mit dem evangelischen Schulreferat Köln und Region statt. Bitte melden Sie sich bis zum 7. September 2017 verbindlich im Schulreferat (Kartäusergasse 9, 50678 Köln, Tel. 0221/33 82-274) an.

Donnerstag, 14. September 2017, 15.30–17.30 Uhr
Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26, 50667 Köln


Die Gedenk- und Begegnungsstätte »Ehemalige Jüdische Schule« –
Der letzte »steinerner Zeuge« der Synagogengemeinde Leer

1909 wurde mit dem Bau des Hauses begonnen, das heute als die Gedenk- und Begegnungsstätte »Ehemalige Jüdische Schule« in Leer bekannt ist. Im Juni 1910 begann Lasser Abt mit dem Unterricht für ca. 25 Mädchen und Jungen in der Elementarschule der jüdischen Gemeinde. Bis zu ihrer Schließung im Jahr 1939 unterrichteten insgesamt vier Lehrer. Drei von ihnen wurden zusammen mit zahlreichen anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Leer in Konzentrationslagern ermordet.

Im Vortrag wird die Geschichte der Jüdischen Schule, ihrer Lehrer und Schulkinder erzählt und über die heutige Arbeit in der Gedenk- und Begegnungsstätte berichtet.

Die Ehemalige Jüdische Schule Leer ist eine Gedenk- und Begegnungsstätte in Trägerschaft des Landkreises Leer. Als letzter »steinerner Zeuge« der Synagogengemeinde Leer widmet sie sich dem Gedenken an die jüdische Bevölkerung aus dem Landkreis. Zu ihren Aufgaben gehören die Erforschung, Vermittlung und Präsentation jüdischer Lokalgeschichte sowie Veranstaltungen zu aktuellem jüdischen Leben in Deutschland. In der Einrichtung werden die Dauerausstellung zur Schule mit Interviewsequenzen ehemaliger Schüler_innen sowie wechselnde Sonderausstellungen gezeigt.

Referentin: Dr. phil. Juliane Irma Mihan hat an den Universitäten Erfurt und Potsdam Neuere Geschichte (Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte), Jüdische Studien, Religions- und Erziehungswissenschaft studiert und wurde 2016 mit einer Arbeit über die jüdische-christliche Simultanschule in Lengsfeld (Sachsen-Weimar-Eisenach) promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte und Interessen liegen in der deutsch-jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, der jüdischen Kultur und Religion sowie im interreligiösen Dialog.

Dienstag, 19. September 2017, 19.00 Uhr
Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26, 50667 Köln



»Wir lernten einen halben Tag, und den anderen halben Tag arbeiteten wir«.
Rettung, Aufbauwerk und Fürsorge: Die Jugend-Aliyah von 1932 bis in die 1950er Jahre

1932 wurde die Jugend-Aliyah gegründet: Jüdische Jugendliche sollten frei und selbstbewusst, abseits von Antisemitismus, ein neues Leben beginnen und den Zionismus aus der Theorie in die Praxis überführen. Nach 1933 erweiterte die Jugend-Aliyah unaufhörlich ihren Aktionsradius – 1938 nach Österreich, später auch in Länder wie Holland, Dänemark und England. Aus dem Ausbildungswerk für zionistische Pioniere wurde immer mehr ein Rettungswerk. Bis 1940 konnte die Jugend-Aliyah rund 5.000 Kinder und Jugendliche in Sicherheit bringen. Nach 1945 kümmerte sie sich um Kinder, die die Shoah überlebt hatten. In dem Vortrag werden Strukturen, Akteure, Biografien, Zitate und Erinnerungen ein breit gefächertes Bild dieser Institution vermitteln, die auch heute noch in Israel aktiv ist.

Referentin: Dr. Susanne Urban, seit 11/2015 Geschäftsführerin der SchUM-Städte e.V.; 2009 bis 2015 Leiterin der Forschung und Bildung im ITS/ Arolsen; 2005 bis 2009 Yad Vashem/ International School for Holocaust Studies; 2004 Fellow Researcher in Yad Vashem. 2003 Kuratorin der Ausstellung zur Jugend-Aliyah: »Rettet die Kinder«. Bis 2004 u.a. Mitarbeiterin des Jüdischen Museums Frankfurt und der Zeitschrift TRIBÜNE. Veröffentlichungen u.a. zu Displaced Persons, Repatriierung, zur Bricha, Zeitzeugenberichten, Kinder-Überlebenden und zur Jugend-Aliyah. Entwicklung auch von Unterrichtsmaterialien. Promotion 2000 am Moses Mendelssohn Zentrum / Universität Potsdam.

Montag, 9. Oktober 2017 19.00 Uhr
Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26, 50667 Köln



Mit freundlicher Unterstützung der Bezirksvertretung Innenstadt.



Synagogen weltweit – damals und heute


Die Schau zeigt jüdische Gotteshäuser in fünf Erdteilen.
Besondere Kapitel sind Israel und der Ukraine gewidmet.

Eröffnung: Mittwoch, 15. März 2017, 17.00 Uhr

Lern- und Gedenkort Jawne, Albertusstraße 26, 50667 Köln

Begrüßung:
Dr. Ursula Reuter, Lern- und Gedenkort Jawne

Hebräische und jiddische Lieder zur Ausstellung:
Dina Goncharova, Illya Bortnik und Nina Nesterenko

Einführung mit Bild-Beispielen:
Heinz Steinmetz, Architekt in Porz-Zündorf, der die Ausstellung in
Kooperation mit der Germania Judaica erarbeitet hat

Gespräch mit den Gästen

Der Eintritt ist frei.



erinnertes vergessen. Dortmund, Hiltropwall. Foto und ©: Ulrich Knufinke.

erinnertes vergessen. Köln-Bocklemünd. Foto und ©: Ulrich Knufinke.

erinnertes vergessen

Ein Fotoprojekt von Ulrich Knufinke

Seit 1998 entsteht das Fotoprojekt »erinnertes vergessen« mit Fotografien von Standorten von Synagogen, die 1938 zerstört worden sind. Die Serie wurde bisher in rund 20 Orten in Deutschland gezeigt. Sie umfasst immer acht Texttafeln und 16 Fotografien. Sie verwandelt sich von Ausstellung zu Ausstellung, da neue Fotografien, meist aus der Umgebung des Ausstellungsorts, in die Serie integriert und andere weggelassen werden.

Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2017 im Lern- und Gedenkort Jawne zu sehen.

Ulrich Knufinke studierte Architektur und Germanistik an der Technischen Universität Braunschweig, wo er 2005 promovierte. 2015 erfolgte seine Habilitation an der Universität Stuttgart. Seit vielen Jahren ist er Mitarbeiter an Projekten der Bet-Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa an der TU Braunschweig. Daneben arbeitet er freiberuflich als Autor und Kurator architektur- und kulturhistorischer Ausstellungen.







Ludwig Meidner, Selbstporträt / © Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Horcher in die Zeit

Ludwig Meidner, Expressionist, Zeichenlehrer an der Jawne

Im Lern- und Gedenkort Jawne ist noch bis Mitte Oktober 2016 erneut die Ausstellung über den Expressionisten Ludwig Meidner zu sehen, der von 1935 bis 1939 am Jüdischen Gymnasium Jawne als Zeichenlehrer gearbeitet hat. Gezeigt werden Reproduktionen von Bildern und Zeichnungen Meidners seiner gesamten Schaffenszeit, vor allem aber der Kölner Zeit, sowie dokumentarisches Material wie Briefe und persönliche Erinnerungen von Schülern an ihren unkonventionellen Zeichenlehrer.




»Das werde ich nie vergessen...«

Die Geschichte von Tamar und Harry Dreifuss

Tamar und Harry Dreifuss sind Zeitzeugen und Überlebende des Holocaust. Beide kamen auf verschiedenen Wegen nach Israel, gemeinsam, aber mit unterschiedlichen Erwartungen zogen sie 1959 nach Deutschland. Die Ausstellung »Das werde ich nie vergessen...« zeichnet ihre Geschichten nach und ergründet mit Objekten, Fotos und künstlerischen Werken die Möglichkeiten der Darstellung von Erinnerung.

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 14. Mai 2016 zu sehen.


Nie wieder Rosenmontag

Porträts und Dokumente geretteter Schülerinnen und Schüler des jüdischen Gymnasiums Jawne

Rund 1.100 jüdische Kinder und Jugendliche aus Köln wurden zwischen 1938 und 1945 deportiert und ermordet. Durch die unter anderem von Erich Klibansky, dem letzten Direktor des jüdischen Gymnasiums Jawne, organisierten »Kindertransporte« und das Rettungsprogramm »Jugend-Aliyah« konnten zahlreiche jüdische Jungen und Mädchen den Gaskammern und Erschießungskommandos der Nazis entkommen. Die Ausstellung zeigt großformatige Porträts sowie Dokumente ehemaliger Jawne-Schülerinnen und -Schüler, die nach ihrer Rettung eine Perspektive in Palästina bzw. Israel gefunden haben.

Ein Ausstellungsprojekt des Jugendclub Courage Köln e.V. in Zusammenarbeit mit dem Lern- und Gedenkort Jawne.

Vom 15. September 2015 bis zum 30. März 2016


Begleitveranstaltungen zur Sonderausstellung »Nie wieder Rosenmontag«

Porträts und Dokumente geretteter ehemaliger Schülerinnen und Schüler des jüdischen Gymnasiums Jawne

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale überlebender Jawne-SchülerInnen, die nach ihrer Rettung allesamt eine Perspektive in Palästina bzw. Israel gefunden haben.
 
Begleiten möchten wir die Ausstellung mit drei Projektionen sehr persönlicher filmischer Interviews, die Wolfgang Richter (Lern- und Gedenkort Jawne) im Jahr 2012 in Israel führte und die in enger Beziehung zu den in der Ausstellung gezeigten Personen und angesprochenen Themen stehen.

Die biografischen Berichte gehen dabei weit über die nationalsozialistische Zeit und die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges hinaus, beschreiben die mit der Auswanderung nach Israel verbundenen Hoffnungen, den Umgang mit dem Verlust der Angehörigen, den Aufbau neuer Familien und das Weiterleben mit den Schatten Nazi-Deutschlands in der dauerhaft unruhigen nahöstlichen Region. Gleichzeitig sind die Interviews intime Begegnungen mit dem Altwerden, dem Mut zur Rückschau und den unterschiedlichen Deutungen jüdischer Identität.


Donnerstag, 24. März 2016, 19.00 Uhr
Video-Interview mit Karla Yaron (Jerusalem)

Karla Yaron (geb. Rath) kam am 08. Juli 1925 als Kind einer jüdisch-liberalen Familie in Düsseldorf zur Welt. Nach der Pogromnacht 1938 verließ Karla ihre Schule in Düsseldorf und wechselte an das jüdische Gymnasium Jawne in Köln. Durch die Initiative ihres Schuldirektors Erich Klibansky konnte sie im Sommer des Jahres 1939 mit einem der sogenannten Kindertransporte Deutschland verlassen und so der Deportation und Ermordung durch die Nazis entkommen.

Die Kriegsjahre und die nachfolgende Zeit verbrachte Karla in England. Dort fand sie Kontakt zur religiös-zionistischen Jugendbewegung Bachad und nahm an einem Vorbereitungsprogramm (Hachschara) für ein landwirtschaftliches und kollektives Leben in Palästina bzw. Israel teil. In diesem Zusammenhang lernte sie auch ihren späteren Mann Zvi kennen, mit dem sie 1950 nach Israel ging. Dort lebte und arbeitete sie einige Jahre im Kibbuz Lavi, später in Jerusalem und wurde Mutter von zwei Kindern. Karlas Mutter, Paula Bernhard-Rath, wurde im November 1941 von Düsseldorf nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Die Umstände ihrer Rettung, der Kindertransport und die Zeit in England haben Karlas Leben entscheidend geprägt. Die Erinnerung an ihre Rettung durch Erich Klibansky war ihr immer ein wichtiges Anliegen und auch mit ihren Freundinnen aus der Zeit der Kindertransporte pflegt sie bis heute einen wöchentlichen und intensiven Kontakt.

Im Interview berichtet sie jedoch nicht nur über ihre Familie, Kindheit, Schulzeit und die Rettung nach England, sondern auch über ihren Alltag in einem Jerusalemer Altersheim in dem sie sehr gerne zuhause ist, über ihr soziales Engagement bzw. ihren Wunsch, »etwas an das Leben zurückzugeben«, ihr selbstverständliches Verhältnis zur jüdischen Religion und die Wichtigkeit der Weitergabe von Erinnerung und Geschichte an Kinder, Enkel und zukünftige Generationen.

Karla erzählt sehr persönlich und detailreich, und wir danken ihr für ihr Vertrauen und das wertvolle Interview sehr!

Die Projektion dauert etwa 75 Minuten und wird kommentiert von Wolfgang Richter.

Informationen zu den Veranstaltungen lassen auch telefonisch erfragen: (0175) 221 16 20


Sonntag, 24. Januar 2016, 17.00 Uhr
Video-Interview mit Margot Plesser (Jerusalem)

Margot Plesser wurde am 13.11.1927 als Tochter der Familie Dünner in Köln geboren. Ihr Vater Lasar Dünner war einer der letzten Rabbiner der Synagoge an der Glockengasse. Während ihrer ersten vier Schuljahre besuchte Margot die Moriah, der Grundschule der orthodoxen Gemeinde Adass Jeschurun in der St.-Apern-Straße.

Nachdem die Lebensumstände für die jüdische Bevölkerung immer schwieriger wurden, beschlossen ihre Eltern, sie zu Verwandten nach Amsterdam zu schicken. Nach den Sommerferien des Jahres 1938 kehrte sie von dort nicht mehr nach Deutschland zurück. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen geriet auch die Familie Dünner in die Verfolgungsmaschinerie der Nazis. Margots Eltern und Geschwister wurden deportiert und in verschiedene der nationalsozialistischen Lager verschleppt. Margot jedoch konnte durch unglaubliches Glück im buchstäblich letzten Augenblick entkommen und wurde bis zum Ende des Krieges von niederländischen Familien versteckt.

Im Interview berichtet Margot detailreich und persönlich von den Umständen der Verfolgung in Amsterdam, ihrer unglaublichen Flucht vor SS-Hauptsturmführer Ferdinand Aus der Fünten und seinen Schergen, aber auch von der Solidarität und Wärme, die sie erfuhr und die ihr das Leben gerettet hat.

Margot berichtet auch über die Umstände des in der Öffentlichkeit wenig bekannten »TRANSPORT 222«, eine der sehr seltenen »Menschenhandelsaktionen«, bei denen jüdische Häftlinge, darunter auch Teile ihrer Familie, gegen sogenannte »Auslandsdeutsche« ausgetauscht wurden und so den Weg in die Freiheit fanden.

Schließlich in Israel geriet Margot durch ihre eigene, aber auch die berufliche Tätigkeit ihres Mannes wieder in die deutsche Stadt ihrer Kindheit. Dies tat sie höchst unfreiwillig und auch nicht lange. Die Berichte über die von ihr erlebte Kölner Nachkriegsatmosphäre und die Tätigkeiten ihres Mannes in der damals in Köln ansässigen »Israel-Mission« (Handelsmission zur Abwicklung von Entschädigungsabkommen) sind aber ebenso spannend, lehrreich und interessant wie die übrigen Teile dieses sehr plastischen Zeugnisses.

Margot Plesser lebt heute in Jerusalem.

Die Projektion dauert etwa 100 Minuten, einschließlich einer kurzen Pause, und wird kommentiert von Wolfgang Richter.↵


Sonntag, 13. Dezember 2015, 17.00 Uhr
Video-Interview mit Shmuel Hatsor (Kibbuz Kfar HaNassi)

Shmuel Hatsor (1924 geboren als Samuel Königshöfer) lebte mit seiner Mutter und seinen vier Geschwistern in der Kölner Innenstadt und besuchte die Schulen der orthodoxen Gemeinde »Adass Jeschurun« in der St.-Apern-Straße, bis sein Schuldirektor Erich Klibansky ihm 1939 mit einem Kindertransport die Ausreise nach England ermöglichte. Sein früher Kontakt zur zionistischen Jugendbewegung »Habonim« prägte sein gesamtes späteres Leben auf entscheidende Art. Nachdem er sich aktiv an der Organisation der illegalen Einreise in das britische Mandatsgebiet Palästina beteiligte, wurde 1947 sein Traum von einem kollektiven Leben in Israel auch für ihn Wirklichkeit.

Shmuel ist Mitbegründer des Kibbuz Kfar HaNassi im Norden Israels, dem er bis heute treu geblieben ist. Die Geschichten aus den Gründungstagen des Kibbuz bieten konkrete Einblicke in die hoffnungsvolle Zeit eines persönlichen Neuanfangs und den Aufbau einer neuen Gesellschaft in einem neuen Land.

Die »Rückseite« seiner persönlichen Erfolgsgeschichte als Habonim-Aktivist und Kibbuznik verschweigt Shmuel jedoch nicht. Die Beschäftigung mit der Ermordung seiner Eltern in Auschwitz war lange verdrängt und bleibt schmerzhaft, seine Haltung zu Deutschland ist äußerst distanziert und auch sein Blick auf das Israel heutiger Tage ist wenig hoffnungsvoll...
 
Die Projektion (Englisch mit deutschen Untertiteln) dauert etwa 80 Minuten und wird von Wolfgang Richter kommentiert.