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Sonderausstellung:

Meta und Erich Klibansky
Zwischen selbstbewusstem Judentum
und Moderne


Als Ergänzung zur Ausstellung »Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung« stellt der Lern- und Gedenkort Jawne in seinen Galerieräumen das Leben und die Arbeit von Erich und Meta Klibansky vor. In dieser Ausstellung sind auch zahlreiche bislang nicht gezeigte Bilder und Dokumente zu sehen.

Dr. Erich Klibansky, Direktor des einzigen jüdischen Gymnasiums im Rheinland, rettete von Januar bis Juli 1939 mehr als 130 Kinder mit Kindertransporten nach Großbritannien. Der Beginn des Krieges zerschlug seinen Plan, die gesamte Schule nach Großbritannien zu verlegen. Meta Klibansky, geborene David, war vor ihrer Heirat Lehrerin an der Israelitischen Töchterschule in Hamburg. In der Jawne unterrichtete sie Englisch. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Hans Raffael, Alexander und Michael.

Meta und Erich Klibansky repräsentieren diejenigen jüdischen Deutschen, die bewusst orthodox, »thoratreu«, lebten und zugleich politisch und intellektuell Teil der modernen deutschen Gesellschaft waren. Zusammen mit mehr als 1.000 jüdischen Menschen aus Köln und dem Umland wurde die Familie am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert. Sie alle wurden sofort nach der Ankunft ermordet.

26. Oktober 2017 bis 30. April 2018

Lern-und Gedenkort Jawne, Albertusstr. 26, 50667 Köln



Vernichtungsort Malyj Trostenez
Geschichte und Erinnerung

Ausstellung im EL-DE-Haus

Die Ausstellung würdigt die Opfer des Vernichtungslagers Malyj Trostenez. Zwischen 1942 und 1944 wurden in dem nahe Minsk gelegenen Lager 40.000 bis 60.000 Menschen – überwiegend Juden – ermordet. Unter ihnen befanden sich mehr als 1.000 Männer, Frauen und Kinder aus Köln.

Die Ausstellung zeigt zugleich, auf welche Weise und an welchen Orten in Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien der Ermordeten gedacht wird. Malyj Trostenez soll so in der öffentlichen Wahrnehmung als europäischer Tat- und Erinnerungsort verankert werden.

Ausstellung und Begleitprogramm werden als Kooperationsprojekt des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, des Lern- und Gedenkorts Jawne und der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus – An der Synagoge e.V. und des IBB Dortmund präsentiert.

19. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018

EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln




Details zu den Veranstaltungen des Begleitprogramms:

Vortrag:
»Aktion 1005« in Malyj Trostenez
Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten

In seinem Vortrag gibt der Berliner Publizist Jens Hoffmann im ersten Teil einen Überblick zur Geschichte der »Aktion 1005« – dem letzten Endes misslungenen Versuch von Nazitätern, die Spuren ihrer Massenverbrechen auszulöschen. Im zweiten Teil rekonstruiert er anhand von Strafprozessakten, auf welche Weise die Täter des »Sonderkommandos 1005-Mitte« am Vernichtungsort Malyj Trostenez bei Minsk die Spuren von Massenmorden an mehrheitlich jüdischen Zivilsten aus Belarus, Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei zu verwischen versuchten.

Donnerstag, 25. Januar 2018, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln
Kosten: 4,50 Euro, ermäßigt 2 Euro


Podiumsdiskussion:
Felix Lipski: Eine Kindheit im Minsker Ghetto

Felix Lipski, 1938 in Minsk geboren, musste von 1941 bis 1943 mit seiner Mutter im Ghetto von Minsk leben. Aus seinen Erinnerungen berichtet er über die Enge im Ghetto, das ständige Hungergefühl, die Angst vor Pogromen und die Aktivitäten der Untergrundorganisation, in der seine Mutter eine wichtige Rolle spielte. Im Sommer 1943 flüchteten Mutter und Sohn aus dem Ghetto zu den Partisanen – bis zur Befreiung durch die Rote Armee lebten sie in einem Familienlager in den Wäldern.

Felix Lipskis grausame Erinnerungen an die Kriegsjahre veranlassten ihn, sich mit der Geschichte des Minsker Ghettos intensiv zu beschäftigen. Lange Zeit wurden Ghettohäftlinge in der Sowjetunion nicht anerkannt, erst mit Beginn der Perestroika konnten sie offen über ihr Schicksal sprechen. 1991 war Felix Lipski Mitbegründer und erster Vorsitzender des »Weißrussischen Verbandes der ehemaligen jüdischen Häftlinge der nationalsozialistischen Ghettos und KZ«. Seit Mitte der 1990er-Jahre lebt er in Deutschland.

Moderation: Dr. Ursula Reuter

Dienstag, 30. Januar 2018, 19.00 Uhr
EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25, Köln

Kosten: 4,50 Euro, ermäßigt 2 Euro


Stadtführung:
Der Vernichtungsort Malyj Trostenez
Eine Stolpersteinführung
Mit Dr. Katja Lambert

Die internationale Sonderausstellung Malyj Trostenez erinnert anhand einzelner Schicksale an die Geschichte des Vernichtungslagers und die Ermordung der meist jüdischen Opfer. In einer zweistündigen Führung durch Köln wird von Stolperstein zu Stolperstein der Schicksale der über 1.000 Kölnerinnen und Kölner gedacht, die von Köln nach Belarus deportiert und ermordet wurden. Sowohl in der Ausstellung als auch in der Führung spielt die Kölner Jawne eine besondere Rolle. Deren Direktor Dr. Erich Klibansky wurde mit seiner Familie und seinen Schülerinnen und Schülern in das Vernichtungslager deportiert und ermordet.
 
Sonntag, 4. Februar 2018, 11.00 Uhr
Treffpunkt: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23–25

Kosten: 8 Euro
Anmeldung unter www.museenkoeln.de